Nachbarländer über deutschen Ökostrom verärgert
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Berlin - Der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, erklärt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass Deutschlands europäische Nachbarn verärgert seien über die schwankende Ökostromeinspeisung aus Deutschland in ihre Netze, da dies die Stabilität ihrer Versorgung gefährde. Die Energiewende laufe in einigen Bereichen zu schnell, sagte der Geschäftsführer der halbstaatlichen Dena. Er fordert deutliche Einschränkungen beim Solar- und Windenergieausbau, da das Netz das Ausbautempo nicht verkrafte. "Es kann nicht sein, dass wir Photovoltaik und Windenergie zubauen, die man gar nicht mehr ins Netz integrieren kann."
"Wir haben Stromflüsse von Ostdeutschland, wo sehr viele Windkraftanlagen zugebaut worden sind, die wir nicht in den Süden und Westen bekommen", sagte Kohler. "Entsprechende Netze sind nicht vorhanden, so dass wir ihn über Polen, Tschechien und Österreich wieder im Süden Deutschlands einspeisen oder aber nach Italien weiterleiten." Polen habe gesagt, dass man diese unkontrollierten Stromzuflüsse durch Regler an den Grenzen stärker eindämmen wolle.
Bessere Koordinierung gefordert
Kohler empfahl eine bessere Koordinierung mit den europäischen Partnern. Zudem solle etwa beim Ausbau von Wind- und Solarparks nur noch das genehmigt werden, was das Netz derzeit auch verkraften könne. Neben bis zu 4450 Kilometern an neuen Stromautobahnen verwies Kohler auf Schätzungen eines Neubaubedarfs von bis zu 350 000 Kilometern bei den Verteilnetzen. Gerade Solarstrom werde oft dort erzeugt, wo es wenig Leitungen zum Abtransport des Stroms gebe.
Netzstabilität in Gefahr
Kohler rechnet gerade im Sommer durch zu viel Photovoltaik mit großen Problemen für die Netzstabilität. "Kurzfristig müssen Anlagen abgeregelt werden, die Einspeisung muss also unterbunden werden", sagte Kohler. Solche Abregelungen müssen aber entschädigt werden. Die Kosten tragen die Verbraucher über den Strompreis. Wenn in Polen oder Tschechien tatsächlich Stromsperren errichtet würden und der Strom somit nur noch bedingt an diese Länder abgegeben werden könnte, fürchtet Kohler an wind- und sonnenstarken Tagen in Deutschland eine Zunahme von Zwangsabschaltungen bei Wind- und Solarparks.
Bundesnetzagentur gefragt
Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sagte der dpa, er wünsche sich dass die Bundesnetzagentur beim Leitungsausbau eine "stärkere planerische Rolle" erhalte. "Die Netze sind der Flaschenhals." Weil sie nicht aufnahmefähig genug seien, bleibe bereits jetzt bis zu 30 Prozent des Stroms aus Windparks ungenutzt.
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