Nach dem Krach mit den USA blickt die Netzwelt nach vorn
In dem neuen Internet-Forum dürfte es zu heißen Debatten kommen - zumal Washington es hinnehmen muss, dass es die Vereinten Nationen sind, die diesen "Prozess verstärkter Zusammenarbeit" nun anstoßen.
Nur langsam füllt sich derweil der "digitale Solidaritätsfonds", den der senegalesische Präsident auf den Weg gebracht hat, um den Graben bei der Informationstechnologie zu schließen. In ihn wird allein freiwillig eingezahlt, alles andere hatten die reichen Länder abgelehnt. Unter den Geldgebern mangelt es bisher vor allem noch an Unternehmen, obwohl Informationstechnologie doch alle Bereiche der Wirtschaft dynamisieren kann, vom Tourismus bis zur Landwirtschaft. "Entwicklungshilfe allein kann das Problem nicht lösen, wir brauchen die Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor", betonte Staatssekretär Bernd Pfaffenbach vom Bundeswirtschaftsministerium in Tunis.
Der zweite Weltinformationsgipfel - nach dem ersten 2003 in Genf - diente als ein intensives Trainingslager für jene Drittweltländer, die den Anschluss suchen. Und er konnte den Blick der Unternehmen für die elementaren Bedürfnisse und Infrastrukturen der armen Länder schärfen: "Ein Forum, das nicht alle Probleme lösen, den Faden aber weiterspinnen konnte", wie es ein europäischer Diplomat formulierte.
Die perfekte Gipfel-Organisation nutzte nichts, am Pranger stand der tunesische Gastgeber wegen seiner Menschenrechtsverletzungen und der massiv eingeschränkten Pressefreiheit. Nicht nur der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi bot sich damit die Chance, ganz hautnah auf die Gefahren der Internet-Zensur und staatlichen Vorgehens gegen Cyber-Dissidenten in der Welt aufmerksam zu machen. Und das war letztlich auch ein Argument dafür, sehr umsichtig bei einer "Internationalisierung" der Internet-Verwaltung vorzugehen.
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