Mit der Zeitung kommt auch der Brief - Verlage machen Post Konkurrenz
Neben Branchenunternehmen wie der EP Europost (Hannover) oder der Pin AG (Berlin) sind bereits einige Zeitungsverlage, wie etwa die Axel Springer AG oder die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), auch in der regionalen Zustellung von Briefen tätig. Zeitungsträger verteilen dabei etwa im Ruhrgebiet die Sendungen mit der "WAZ" an Abonnenten-Haushalte. Springer und Holtzbrinck rüsteten sich mit Anteilsübernahmen bei der Pin AG für das Geschäft in Berlin.
Das Plus der Verlage liegt in Synergieffekten durch ein dichtes eigenes Zustellnetz. Eine angeblich anvisierte Grossallianz der Verlage kam bislang aber nicht zu Stande. Die Aktivitäten der Verlage seien eine "ernsthafte Konkurrenz" für die Post, sagte Post-Sprecher Dirk Klasen. Es sei eine normale Entwicklung, wenn Verlage ihre Zustellnetze besser auslasten wollten. Für den Wettbewerb sei die Post aber gut aufgestellt.
Die neue Post-Konkurrenz steht auch in den Startlöchern, um sich für das Auslaufen des nationalen Briefmonopols Ende 2007 zu positionieren. Im Milliardengeschäft mit dem Einsammeln, Transport und Zustellen von Briefen und Sendungen muss sich der frühere Staatsmonopolist dann erst recht auf zunehmende Konkurrenz einstellen. Mit einer erneuten Verlängerung des Monopolrechts durch die Bundesregierung wird in Bonn nicht gerechnet.
Das Briefmonopol hat der Deutschen Post bislang gesetzlich Pfründe gesichert und fette Gewinne beschert. Trotz teilweiser Öffnung des Briefmarkts - das Monopol gilt noch für Sendungen bis 100 Gramm - haben sich bislang andere Anbieter kaum etablieren können, die unter bestimmten Auflagen auch jetzt schon im Monopolbereich tätig werden können. Obwohl Hunderte von Firmen am Markt sind, liegt der Marktanteil der Post nach Angaben der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post insgesamt bei rund 95 Prozent. Rund 10 Milliarden Euro wurden 2003 im Briefmarkt umgesetzt. Davon entfielen allein 6,8 Milliarden Euro auf den Monopolbereich.
Bei den so genannten postvorbereitenden Tätigkeiten wie dem Einsammeln und Vorsortieren von Briefen bis 100 Gramm droht der Post schon in Kürze der Verlust ihres Exklusivgeschäfts. Das Bundeskartellamt - die EU-Kommission vertritt die gleiche Position - wird voraussichtlich Ernst machen und nach der bereits zugestellten Abmahnung die Post zur Öffnung dieses Teilmarkts für Konkurrenten zwingen. Der hieraus resultierende Umsatzverlust wird von der Post auf jährlich rund 200 Millionen Euro beziffert.
Die Post-Führung hat sich längst auf die nationale Konkurrenzlage in ihrem wichtigsten Geschäft eingestellt. Im personalintensiven Briefbereich mit rund 81 000 Zustellern im Inland wurde ein strenges Kostenmanagement eingeführt. Aus einem wachsenden Auslandsgeschäft sollen künftig höhere Gewinne sprudeln, um die Abhängigkeit des Konzerns vom Briefgeschäft in Deutschland zu verringern.
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