Minister empfiehlt Verbrauchern Anbieterwechsel
Hamburg - Nach den Störfällen im Atomkraftwerk Krümmel hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Verbrauchern einen Wechsel des Stromanbieters nahe gelegt. "Der Verbraucher ist der Souverän. Jeder kann Vattenfall verlassen, wenn er mit der Unternehmenspolitik nicht einverstanden ist", sagte Gabriel dem "Hamburger Abendblatt" vom Samstag. Vattenfall habe "alle Chancen, diese Kunden mit einer anderen Politik zurückzugewinnen". Er selbst sei vor einiger Zeit zu einem Unternehmen gewechselt, das "zu 100 Prozent Ökostrom anbietet".
Gabriel fügte hinzu, es sei im Interesse des Energiekonzerns, Krümmel "endgültig stillzulegen". "Das Rest-Vertrauen in das Unternehmen kehrt nur zurück, wenn es nicht permanent mit einem Problemreaktor identifiziert wird." Vattenfall solle "nicht ernsthaft" auf die Idee kommen, Krümmel wieder hochzufahren. "Ich will, dass wir den heutigen Stand von Wissenschaft und Technik bei den Sicherheitskriterien anlegen, damit Krümmel nicht wieder ans Netz geht." Krümmel sei "ein störfallanfälliges Kraftwerk wie sieben andere alte Atommeiler in Deutschland".
Der Störfall im Atomkraftwerk Krümmel hat bereits eine Kündigungswelle von Vattenfall-Kunden ausgelöst. Mehrere tausend Verbraucher seien seit Anfang Juli zu konzernunabhängigen Ökostromanbietern gewechselt, hatten diese Unternehmen zu Beginn der Woche erklärt. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg (VZ HH) berichtete von zahlreichen Anrufen empörter Vattenfall-Kunden bei ihrer Energieberatung.
Krümmel hatte sich am 4. Juli nach einem Transformatorschaden selbst abgeschaltet. Erst wenige Tage zuvor war das Kraftwerk nach langer störfallbedingter Pause wieder ans Netz gegangen. Vattenfall betreibt das Atomkraftwerk gemeinsam mit dem Energiekonzern E.ON.
Video: So funktioniert der Stromanbieterwechsel
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