Microsofts Handy-System Windows Mobile 6.5 nur Zwischenetappe

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München - Seinen Antrittsbesuch in der Microsoft-Zentrale in Redmond wird Achim Berg, Chef der Microsoft Deutschland GmbH, sein Leben lang nicht vergessen. Konzernchef Steve Ballmer hatte im Februar 2007 seine Führungskräfte aus aller Welt zu sich gerufen, um dem Team über 21 Stunden am Stück die Leviten zu lesen. Microsoft stand damals wegen des Debakels um das missglückte PC-Betriebssystem Windows Vista mit dem Rücken zur Wand. Den Suchmaschinen-Markt mit gigantischen Werbeeinnahmen hatte sich Google unter den Nagel gerissen. Und der Einstieg des Konkurrenten Apple in das Mobilfunkgeschäft mit dem iPhone verschlechterte die Laune des bulligen Unternehmensführers noch mehr.


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Knapp drei Jahre später hat Steve Ballmer deutlich seltener Anlass, gegenüber seiner Führungscrew aus der Haut zu fahren und laut zu werden. Mit Windows 7 stellt der weltgrößte Softwarekonzern in diesen Wochen ein runderneuertes PC-Betriebssystem vor, das die Anwender nicht mehr so mit Macken und Bevormundungen nervt wie noch der Vorgänger Windows Vista. Mit dem "Project Natal" hat Microsoft inzwischen eine Technologie im Portfolio, mit der sich nicht nur die Spielekonsole Xbox über Gesten und Sprache steuern lässt. Und mit der Suchmaschine Bing hat Microsoft seinen Wettbewerber Google seit Jahren erstmals dazu gezwungen, sich mit der Technologie eines Konkurrenten ernsthaft auseinanderzusetzen. Nur im Mobilfunksektor sieht es nach wie vor alles andere als rosig aus.

"Während die meisten Projekte in den vergangenen drei Jahren sensationell gut gelaufen sind, hat es das Windows-Mobile-Team in Redmond komplett vergeigt", sagt ein Microsoft-Insider. Microsoft habe nicht mit der Entwicklung von Apples iPhone und den BlackBerry-Handys von Research In Motion Schritt halten können, urteilten die Marktforscher von iSuppli. Auch Andreas Krieg, Geschäftsbereichsleiter Mobility bei Microsoft Deutschland, räumt ein, dass im Mobilfunkbereich nicht alles glatt gelaufen ist. "Da wurde extrem viel umgebaut in Redmond."

Mit dem neuen Handy-Betriebssystem Windows Mobile 6.5 sehen sich Krieg und seine Kollegen aber auf dem richtigen Weg. Zusammen mit verschiedenen Handyherstellern wird Microsoft bis zum Jahresende über 30 "Windows phones", in mehr als 20 Ländern auf den Markt bringen. "Windows phones verbinden Arbeit und Spiel. Das ist ein Segment des Marktes, das bislang nicht gefüllt ist und in das ein Windows phone perfekt hineinpasst", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Im großen Unternehmen und Organisationen ist Microsoft schon seit Jahren mit seinen Smartphones besser vertreten als bei privaten Anwendern. "Der Consumer-Markt wird aber immer wichtiger", sagt Krieg. "Mit einem Windows phone bieten wir nun ein Smartphone für alle Lebensbereiche an ­ für die Arbeit und privat." In Deutschland treten die Microsoft-Partner Acer, HTC, LG, Samsung, Sony Ericsson und Toshiba mit neuen "Windows phones" an.

Darunter hat insbesondere der HTC HD2 das Zeug, dem iPhone von Apple oder den vielen Google-Handys mit dem "Android"-System Konkurrenz zu machen. Das Flaggschiff-Modell der Taiwanesen beherrscht nämlich als einziges "Windows phone" wie ein iPhone die Steuerung mit mehreren Fingern, um beispielsweise in einem Dokument oder auf einer Webseite bequem und intuitiv herein- und herauszuzoomen.

Bis diese HTC-eigene Funktionserweiterung bei allen "Windows phones" Standard wird, müssen Microsoft und seine Partner noch etliche Hausaufgaben erledigen. Daher gehen Branchenbeobachter davon aus, dass der Softwareriese bereits im Februar 2010 auf dem Mobile World Congress in Barcelona das Nachfolge-System Windows Mobile 7 vorstellen wird, das dann dem iPhone auf allen Ebenen ebenbürtig sein soll. Auch iSuppli glaubt, dass Microsoft erst mit der nächsten Auflage von Windows Mobile an Boden gewinnen könnte, weil die Neuerungen in der 6.5-Version zu gering seien.



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