Mehrwertsteuer: Stromkunden könnten 3,7 Milliarden Euro sparen

Heidelberg. Deutsche Stromkunden zahlen 5,8 Milliarden Euro Mehrwertsteuer pro Jahr. Würden auf Strom nur sieben statt aktuell 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben, könnten Verbraucher um 3,7 Milliarden Euro entlastet werden. Das hat eine Berechnung der Tarifexperten von Verivox ergeben. Die Mehrwertsteuer belastet vor allem kleine Einkommen und Renten überproportional.

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Bild: Strommasten, Kornfeld und Windräder Bild: ©kflgalore / Adobe Stock / Text: Verivox

Stromkunden zahlen jährlich 5,8 Milliarden Mehrwertsteuern

Die Tarifexperten von Verivox haben berechnet, wie groß die Kostenunterschiede für Verbraucher bei einer geringeren Mehrwertsteuer wären. Demnach zahlen deutsche Stromkunden für einen bundesweiten Gesamtverbrauch von etwa 128,7 Milliarden Kilowattstunden (kWh) aktuell rund 5,8 Milliarden Euro Mehrwertsteuer pro Jahr. Bei einem verringerten Steuersatz von sieben Prozent wären es nur 2,1 Milliarden Euro – eine Entlastung für deutsche Haushalte von insgesamt 3,7 Milliarden Euro.

Familie könnte 10 Prozent der Stromkosten sparen

„Die Steuerlast trifft vor allem Haushalte mit kleineren Einkommen und Renten, weil Strom- und Mehrwertsteuer nicht progressiv erhoben werden, wie etwa die Einkommenssteuer“, erklärt Mathias Köster-Niechziol, Energie-Experte von Verivox. Würde Strom wie andere lebensnotwendige Güter mit nur sieben Prozent besteuert, könnte eine Familie mit 4.000 kWh Jahresverbrauch durchschnittlich rund 10 Prozent (114 Euro) ihrer Stromkosten einsparen.

Mehrwertsteuer

Doch noch immer befinden sich laut Bundesnetzagentur viele Haushalte in teuren Strom-Verträgen und verschenken so Milliarden. Würden diese Haushalte zu einem günstigeren Anbieter wechseln, summierte sich die Ersparnis auf rund 9 Milliarden Euro.

Lebensnotwendige Güter: Strom zählt nicht dazu

Auf der Liste der „Güter des lebensnotwendigen Bedarfs“, die mit der Steuerreform von 1967 entstanden ist, fehlt Strom jedoch. Neben Lebensmitteln wie Gemüse, Fleisch oder Milch sind dort auch Produkte wie Schnittblumen, rohe Knochen oder Münzsammlungen aufgeführt. „Ein Leben ohne Kühlschrank, Handy oder elektrisches Licht ist schwer möglich. Strom kann daher mit gutem Recht als lebensnotwendiges Gut bezeichnet werden“, kommentiert Köster-Niechziol.

Mehr als die Hälfte des Strompreises geht an den Staat

Über die Hälfte des Strompreises besteht mittlerweile aus Steuern, Umlagen und Abgaben. An der Steuerpolitik werden Verbraucher zwar kaum etwas ändern können, wohl aber an ihrem Stromtarif. „Familien, die das erste Mal wechseln, sparen durchschnittlich rund 400 Euro im Jahr, wenn sie in den günstigsten Tarif mit fairen Vertragsbedingungen wechseln. Daher raten wir jedem Verbraucher, seinen aktuellen Tarif unter die Lupe zu nehmen“, erklärt Köster-Niechziol.

Hintergrundinformationen

Die Angaben zum Energieverbrauch basieren auf den Daten der AG Energiebilanzen e.V. für das Jahr 2015.

Darum verschenken Verbraucher Milliarden: Laut aktuellem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur haben rund ein Drittel der Stromkunden noch nie gewechselt. Das entspricht etwa 15,2 Millionen Stromabnahmestellen. Darüber hinaus lassen sich 20 Millionen Stromabnahmestellen sogenannten Sonderverträgen ihres Grundversorgers zuordnen. Würden all diese Haushalte in den günstigsten Vertrag wechseln, ergäbe sich eine Gesamt-Ersparnis von 9,1 Milliarden Euro.

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