Mehrheit der Deutschen gegen Laufzeitverlängerung
- Regierung will Tauziehen um Atomlaufzeiten beenden
- Laufzeiten: Verbände fordern Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen
- Gutachten: Kein zwingender Grund für Laufzeitverlängerung
- Umweltverbände: Energieeffizienz statt Laufzeitverlängerung
- Atomsteuer bleibt weiter in der Schwebe
- Mehrere Bundesländer drohen in Atomstreit mit Verfassungsklage
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Berlin - In einer Umfrage hat sich die Mehrheit der Deutschen gegen eine Laufzeitverlängerung von 10 bis 15 Jahren für Atomkraftwerke ausgesprochen. 59 Prozent der Befragten sind laut Deutschlandtrend von Infratest dimap gegen diesen Zeitrahmen, den Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) indirekt befürwortet.
Dies teilte die ARD unter Berufung auf die von ihr in Auftrag gegebene Umfrage mit. 37 Prozent der Deutschen halten es prinzipiell für richtig, die Atomkrafrwerke 10 bis 15 Jahre länger am Netz zu lassen. Für die Umfrage wurden zu Wochenbeginn bundesweit ca. 1.000 Wahlberechtigte telefonisch befragt.
Unter bestimmten Bedingungen finden sich jedoch Mehrheiten für Laufzeitverlängerungen: 73 Prozent der Deutschen wären der Umfrage zufolge mit einer Verlängerung der Laufzeit einverstanden, "wenn ein wesentlicher Teil der zusätzlichen Gewinne der Stromkonzerne für den Ausbau erneuerbarer Energien eingesetzt" werde. 59 Prozent wären mit einer Verlängerung der Laufzeit einverstanden, "wenn es dadurch mehr Arbeitsplätze in Deutschland geben würde". 57 Prozent wären mit einer Verlängerung der Laufzeit einverstanden, "wenn dadurch die Strompreise sinken".
Die schwarz-gelbe Koalition will am 28. September ihr Energiekonzept vorstellen, in dem auch die Frage der Atomlaufzeiten geklärt werden soll. Die Bundesregierung hatte am Montag das Energiegutachten vorgestellt, in dem drei Institute verschiedene Szenarien für Laufzeitverlängerungen von vier, zwölf, 20 und 28 Jahren berechnet hatten. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatten daraus aber unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen: Während Brüderle eher für eine Laufzeitverlängerung von bis zu 20 Jahren plädierte, ließ Röttgen seine Präferenz für deutlich kürzere Laufzeiten erkennen.
Röttgen erreichte im Deutschlandtrend von Infratest dimap unterdessen auf ein Umfragehoch. Die Zustimmung zur seiner politischen Arbeit stieg im vergangenen Monat leicht. 45 Prozent der Deutschen sind demnach mit seiner Arbeit zufrieden; das sind drei Punkte mehr als im Vormonat. 37 Prozent sind unzufrieden. Röttgen erreicht laut ARD damit den bislang besten für ihn gemessenen Wert und liegt im Mittelfeld der abgefragten Parteipolitiker.
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