Konzerne beklagen Stromnetz-Engpässe - Ökobranche mahnt Investitionen an

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Bild: Stromleitungen


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Berlin (dpa) - Die großen Stromversorger beklagen zunehmende Engpässe im deutschen Leitungsnetz und machen dafür die Verpflichtung zur Einspeisung von Windstrom mit verantwortlich. Man erreiche "immer häufiger die Belastungs- beziehungsweise Systemsicherheitsgrenze", schreibt die RWE Transportnetz Strom GmbH nach "Handelsblatt"-Angaben vom Donnerstag. Auch andere Betreiber müssten ihre Berichte an diesem Freitag der Bundesnetzagentur in Bonn vorlegen. Die Ökostrom-Branche will das in dieser Form aber nicht geltenlassen. Die Betreiber hätten solche Engpässe selbst verschuldet, weil sie nicht gemäß ihrer milliardenschweren Ankündigungen ins Netz investiert hätten, erklärte der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE).

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"Die Netzbetreiber müssen nur ihre Netzentgelte tatsächlich in den Ausbau der Stromleitungstrassen investieren", forderte BEE-Manager Milan Nitzschke im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Das ist der entscheidende Punkt, sonst gibt es irgendwann tatsächlich einen Stromkollaps. Aber dann liegt es auch allein an den Netzbetreibern, die jahrelang nichts gemacht haben und jetzt in der Not sind, mit langen Genehmigungsverfahren wenigstens das Notwendigste hinzubekommen."

Nur einen Bruchteil der von den Stromverbrauchern aufzubringenden Netzentgelte hätten sie in die Netze gesteckt - dann aber weniger in den Neubau als in die Sanierung. Die war besonders notwendig geworden, nachdem zahlreiche Strommasten im Winter 2005 vor allem im Münsterland unter schweren Schnee- und Eislasten eingeknickt waren.

Wie der BEE forderte auch der Bundesverband WindEnergie (BWE) die Politik auf, die Genehmigungszeiten zu verkürzen. Sonst gingen die energiepolitischen Pläne des Klimaschutzpaketes der Bundesregierung nicht auf, sagte BWE-Geschäftsführer Ralf Bischof der dpa. Auch er beklagte: "Der Netzausbau wurde viel zu spät angepackt. Vattenfall bemüht sich, aber dem Betreiber und größten Stromkonzern E.ON trauen wir nicht bei seinen Ankündigungen. Die müssen mehr tun."

Zum Abbau der Bürokratie drängt auch die FDP. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) müsse endlich das Infrastrukturplanungsrecht beschleunigen, forderte die FDP-Energiepolitikerin Gudrun Kopp. "Wie soll ein so umfangreicher Umbau des deutschen Versorgungssystems, wie er durch die EU-Klimabeschlüsse vorgezeichnet ist, bis zum Jahre 2020 gelingen, wenn der Bau eines Übertragungsnetzes in Deutschland nach wie vor bis zu zehn Jahre in Anspruch nimmt?"

Im RWE-Bericht an die Netzagentur wird laut "Handelsblatt" betont, dass sich kritische Situationen in den vergangenen beiden Jahren spürbar gehäuft hätten. Die Netzbetreiber müssten immer häufiger die Leistungen konventioneller Kraftwerke drosseln, damit Windstrom aufgenommen werden könne. "Der Ausnahmefall ist bei uns die Regel geworden", sagte Wolfgang Neldner, Geschäftsführer bei Vattenfall Europe Transmission, dem Blatt. Das Unternehmen zählte nach eigenen Angaben 2006 nur 80 Tage mit kritischen Situationen. Im vergangenen Jahr waren es bereits 155 Tage. Während der ersten 29 Tage des Jahres 2008 war die Lage bereits an 28 Tagen kritisch.

Früher sei der Strom hauptsächlich dort produziert worden, wo er auch verbraucht wurde. Heute werde Windkraft im Nordosten produziert, aber hauptsächlich im Westen verbraucht. Neue konventionelle Kraftwerke entstünden zu 40 Prozent im Osten, wo der Energieverbrauch rückläufig sei. Hinzu komme, dass Kraftwerks-Planung und -Genehmigung inzwischen etwa acht Jahre dauerten, hieß es bei RWE Transportnetz.



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