Klebestift statt Zunge - Briefmarken kommen bald aus dem Internet

dpa | 01.07.2005
Bild: Adresszeile eines Internetbrowsers


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Stuttgart (dpa) - Der Einführungszeitpunkt im Herbst scheint weise gewählt. Ein kurzer Blick nach draussen: graue Wolken, Nieselregen und Dämmerlicht. Im Kerzenschein wird der Füller ausgepackt; ein paar Zeilen an den Liebsten erheitern das trübe Gemüt. Wie angenehm, wenn man, wie ein Sprecher der Post am Freitag in Stuttgart ankündigte, von Herbst 2005 an ohne einen Fuss vor die Tür zu setzen mit "Stampit Web" die Briefmarke aus dem Internet herunterladen und zu Hause direkt auf den Brief drucken kann. Doch halt. Wie kommt die Sendung am Ende zur Post?

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"Immer wenn man aus der virtuellen Welt wieder in die reale wechselt, gibt es Probleme", sagt Bernd Meyer, der bei der Deutschen Post das mit dem Internetdienstleister GFT in Stuttgart gemeinsam betriebene Internet-Briefmarken-Projekt leitet. Der Weg ins Freie bleibe dem Kunden aber nicht erspart. Mindestens bis zum Briefkasten oder zur Packstation "um die Ecke" müsse er laufen. Langfristig sei ein Abbau von Arbeitsplätzen in Filialen wegen der Automatisierung nicht ausgeschlossen, sagte Post-Sprecher Gerold Beck. "Bis 2008 haben wir ohnehin den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesagt."

Kunden des Online-Auktionshauses ebay sind dem Normalbürger bereits einen Schritt voraus: Seit Februar 2005 können sie sich Wertzeichen für Inlands-Briefe und Päckchen aus dem Internet herunterladen. Vom 1. Juli an werde das Angebot um Marken für DHL- Pakete bis 20 Kilogramm erweitert, sagt Daniel Siebeck, GFT- Projektleiter. In einer Maske gibt der Versender Masse und Gewicht eines Pakets sowie die Lieferadresse ein. Das Porto errechnet sich automatisch und wird von einem zuvor aufzuladenden Post-Konto abgebucht. "Die Briefmarke kann dann auf 55 verschiedene Träger gedruckt werden: Direkt auf Briefe, auf Etikettenbögen oder jegliches Papier." Nur muss dann der Klebestift die Zunge ersetzen.

"Diese Flexibilität wollen die Leute heute haben", sagt Meyer. Wer nur wenige Maus-Klicks von einer Briefmarke entfernt sei, greife auch nicht so schnell zum Telefon, um einen Post-Konkurrenten mit der Paket-Beförderung zu beauftragen. Bisher nutzten etwa 10 000 ebay- Kunden die Briefmarke aus dem Internet, berichtet Meyer. Eine andere von der GFT entwickelte Variante, eine Kauf-Software, verwendeten bereits rund 80 000 Bundesbürger. Zu den erzielten und angestrebten Umsätzen mit Internetgeschäft will sich Meyer nicht äussern.

Nach der Einführung im Herbst soll das Projekt Internet-Briefmarke stetig aktualisiert und weiter ausgebaut werden, sagt Meyer. Wie, das wisse er selbst noch nicht. Doch hoffe die Post auf "ausreichend Feedback der Kunden", um dann reagieren zu können. Nur in einem Punkt ist sich Meyer heute schon sicher: "Im Internet spielt auch bei der Post künftig die Musik."



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