Kasachstan will mehr Macht bei Ausbeutung von Riesen-Ölfeld
Der Eni-Konzern musste seine Arbeiten auf dem Ölfeld Kaschagan vor kurzem wegen Verstößen gegen Umweltauflagen einstellen. Noch gebe es "freundschaftliche Verhandlungen" über eine gemeinsame Leitung des Projekts, sagte Massimow. "Aber wenn die kasachischen Forderungen nicht akzeptiert werden, haben wir einen Plan B, von dem ich erst später erzählen werden." Kaschagan gilt als einer der größten Ölfunde der vergangenen 30 Jahre. Bei der Ausbeutung hat Eni die Führung in dem Joint Venture Agip KCO, an dem zahlreiche internationale Energiekonzerne beteiligt sind, darunter Total, Shell und ExxonMobil.
Ministerpräsident Massimow lud Eni-Chef Paolo Scaroni und EU-Energiekommissar Andris Piebalgs ein, an den Verhandlungen über Kaschagan teilzunehmen. Bisher hält der staatliche kasachische Kazmunaigaz-Konzern lediglich etwas mehr als acht Prozent an dem Projekt. Die kasachische Regierung hat allerdings schon mehrfach gefordert, der Anteil müsse auf rund 40 Prozent aufgestockt werden. Ein Sprecher des Joint-Ventures Agip KCO sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei zuversichtlich, dass die "Probleme in Übereinstimmung mit den bisherigen Verträgen geregelt werden können".
Eni liegt mit dem kasachischen Staat im Streit wegen des Ölfelds. Kasachstan kritisierte den Konzern unter anderem dafür, den Start der Ausbeutung des Ölfelds auf 2010 verschoben zu haben. Zudem ist die Regierung in Astana verärgert über die Explosion der Kosten für die Ausbeutung. Sie dürften sich Schätzungen zufolge auf rund 136 Milliarden Dollar (rund 100 Milliarden Euro) belaufen, veranschlagt waren rund 57 Milliarden Dollar.
Der Stopp der Arbeiten durch die kasachische Regierung erinnert an einen ähnlichen Vorfall vor wenigen Monaten in Russland. Die russischen Behörden hatten dem Shell-Konzern wegen Verstößen gegen Umweltauflagen die Lizenz für das weltgrößte Gas- und Ölprojekt Sachalin II im russischen Fernen Osten entzogen. Das Problem wurde erst gelöst, nachdem Shell die Kontrolle über das Projekt an den staatlichen russischen Energieriesen Gazprom abtrat.
Kritiker werfen den russischen Behörden vor, die Umweltschutzprobleme nur vorgeschoben zu haben, um die Kontrolle über das Projekt zu sichern. Wie bei Sachalin II ist auch das Projekt in Kasachstan in den 90er Jahren vereinbart worden. Damals wurden ausländische Firmen meist über Production Sharing Agreements (PSA) beteiligt. Diese räumten den Ausländern große Gewinnanteile an den damals als risikoreich geltenden Projekten ein. Viele rohstoffreiche Länder von Venezuela bis Russland haben in den vergangenen Jahren aber systematisch versucht, die Kontrolle über viele große Projekte wieder zurückzuerhalten. So sind etwa deutsche Energiekonzerne wie Eon oder die BASF-Tochter Wintershall in Russland nur als Juniorpartner von Gazprom an Erdgasprojekten beteiligt.
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