Käsebrötchen statt Dividende - Telekom-Kleinanleger wollen Handfestes
Rund 38 000 belegte Brote und Brötchen sowie 18 000 Würstchen gehen im Verlaufe des Tages über die Theken, ausserdem reichlich Getränke und Kuchen. Für Speis und Trank zahlen muss der Kleinanleger selbstverständlich nicht, zumindest einmal im Jahr lohnt sich der Aktienbesitz doch noch, meinen viele. "Man hat uns damals gesagt, die Telekom würde expandieren und dadurch die Aktie steigen. Ich habe die Dinger teuer gekauft und jetzt hat man sie jahrelang am Bein", sagt Rentnerin Gisela Vanbokestal und nippt dabei verärgert an ihrem Apfelsaft.
Die Telekom gibt sich redlich Mühe, die enttäuschten Anleger während der Hauptversammlung bei der Stange zu halten: Etwa 1200 Mitarbeiter, zumeist unternehmenseigene Azubis, wurden am Dienstag abgestellt, um für das Wohl der Kapitalgeber zu sorgen. Die seit sechs Monaten geplante Show ist beachtlich, ganze 20 Lastwagen seien nötig gewesen, um das Equipment und die Speisen zur KölnArena zu bringen, sagt Telekom-Pressesprecher Frank Domagala.
Trotz der guten Organisation - glücklich wirken die rund 7000 "Volksaktienbesitzer" nicht. Zu tief sitzt der Ärger über die erneut ausgefallene Dividende. Nicht wenige sind misstrauisch, ob "die da oben", also Vorstand und Aufsichtsrat, sich immer mehr Geld zuschanzten, während die Anleger geduldig ein weiteres Jahr auf die Gewinnausschüttung warten müssen. Selbst die mit viel Applaus bedachte Ankündigung von Kai-Uwe Ricke, der Vorstand verzichte freiwillig auf ein Monatsgehalt, kann dieses Misstrauen kaum mildern: "Das tut denen ja bestimmt nicht weh", sagte etwa der 63-jährige Karl-Heinz Esser aus Köln.
Doch der Vorstand erntet auch Lob von den Kleinanlegern. Besonders der voran gehende Schuldenabbau der Telekom sorgt für Hoffnung: "Ich glaube, dass es mit der Telekom jetzt wieder aufwärts geht. Der Kurs wird endlich wieder hoch gehen", sagt Elisabeth Gevelmann, die zur Hauptversammlung extra aus dem Taunus angereist ist. Auch der 38- jährige Ingenieur Norbert Greiwe sieht die Aktie "in vier bis fünf Jahren" wieder ganz dick im Plus. "Zur Zeit ist die Stimmung im Markt einfach noch zu schlecht". Dass sein Geld in sicheren Händen sei, findet auch der Pensionär Norbert Graf. Doch dem ehemaligen Vorstandsmitglied eines Versicherungsbetriebes fehlt an der Telekom etwas ganz anderes: "Eine konkrete Vision, wie sie der frühere Konzernchef Ron Sommer hatte."
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