Jugendliche auf Dauerempfang - Handy Statussymbol und Schuldenfalle
Laut Bundesverband der Deutschen Inkasso-Unternehmen haben 12 Prozent der 13- bis 24-Jährigen Schulden - im Durchschnitt sogar rund 1.800 Euro. Mobiltelefon-Rechnungen sind eine Ursache: "Handys haben immer anspruchsvollere Funktionen, häufig verbunden mit für Kinder kaum durchschaubaren Gebühren", teilt der Verband mit.
Neben Gesprächen und Textmitteilungen sind es vor allem die Extras, die Geld kosten. "Ich möchte schon ab und zu einen neuen Klingelton und ein, zwei Spiele", bekennt etwa Alen (16) aus Mainz. Doch mit bis zu zehn Euro kann das einmalige Herunterladen von Klingeltönen nach Angaben des Magazins "FINANZtest" zu Buche schlagen.
Dass Kinder und Jugendliche gar nicht erst in Versuchung kommen, will die Bundesministerin für Verbraucherschutz erreichen - Renate Künast (Grüne) fordert so genannte "Kids- Tarife": Eltern schliessen einen speziellen Handy-Vertrag für ihre Kinder ab, in dem teure Nummern wie 0190 oder 0900 zum Herunterladen von Klingeltönen oder Logos nicht angewählt werden können.
Für falsch hält das Husam Azrak, Sprecher von T-Mobile. "Es ist nicht die Aufgabe eines Mobilfunkunternehmens die Jugendlichen der Nation zu erziehen. Der gewissenhafte Umgang mit modernen Medien muss schon im Elternhaus, Kindergarten und in der Schule erlernt werden." Vor allem unseriöse Drittanbieter sind seiner Ansicht nach Schuld am schlechten Ruf der Handy-Dienste. "Einige schwarze Schafe verzerren das Bild. Unsere Download-Gebühren sind transparent und nicht teuer: sie liegen zwischen 39 Cent und 2,49 Euro."
Der richtige Umgang mit dem Handy steht nicht auf dem Lehrplan und entsprechende Vorträge der Verbraucherzentrale für Schulklassen sind kaum gefragt. "Mit dem Thema "Kostenfalle Handy" kann man keinen Schüler hinter dem Ofen vorlocken. Die haben eher Angst, dass man ihnen das Handy vermiesen will", betont Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Bei Minderjährigen rate ich zu Prepaid-Karten. So bleiben Ausgaben überschaubar".
Auch der Deutsche Kinderschutzbund empfiehlt die im Voraus aufladbaren Guthaben. Ist die Karte vor der verabredeten Zeit leer, sollten Eltern sie nicht gleich wieder aufladen. "Schliesslich müssen Kinder früh lernen, dass das einem zur Verfügung stehende Geld begrenzt ist", sagt Bundesgeschäftsführerin Gabriele Wichert.
Als Statussymbol und festen Bestandteil der Jugendkultur beschreibt Karl Schreiber-Herschel das Mobiltelefon auf seiner Homepage http://www.schuldenfallehandy.de. Der Sozialarbeiter aus Köln spricht bei Kindern und Jugendlichen von einer "steigenden Abhängigkeit" vom Handy sowie von Medien- und Kommunikationssucht: "Medien werden von vielen jungen Leuten bereits nicht mehr nur zu einem Zwecke, sondern um ihrer selbst Willen genutzt." Das kann Lisa (17) aus Mainz bestätigen: "Viele schreiben eine SMS, obwohl der andere im Klassenzimmer nebendran sitzt."
Hintergrund: Rechtliche Regelungen für Geschäfte mit Jugendlichen
Mainz (dpa/lrs) - Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sind Kinder unter 7 Jahren geschäftsunfähig, Minderjährige im Alter von 7 bis 18 nur beschränkt geschäftsfähig. Das gilt auch für den
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