Italien: nach 20 Jahren wieder zurück zur Atomkraft
Rom - Nach über 20 Jahren kehrt Italien unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi zur Atomenergie zurück. Wie Zeitungen am Freitag berichteten, verabschiedete der Senat den entsprechenden Gesetzentwurf am Donnerstag abschließend. Die Opposition habe aus Protest den Sitzungssaal verlassen. Italien hatte nach dem Super-Gau von Tschernobyl vor über 20 Jahren der Atomenergie den Rücken zugekehrt. Bei einem Referendum hatten sich damals vier von fünf Befragten für ein Ende der nuklearen Energieproduktion ausgesprochen.
Nun hat die italienische Regierung sechs Monate Zeit, um Vorgaben für Standorte und Kraftwerkstypen zu machen. Aus einzelnen Regionen sei bereits Zustimmung für Atomkraftwerke signalisiert worden, sagte der zuständige Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola. Es habe ein Umdenken gegeben. Als mögliche Standorte nannten Zeitungen Venetien und Sizilien. Allerdings müsse zunächst geklärt werden, ob die technischen Voraussetzungen für Kraftwerk und Endlager gegeben sind. Zudem könnte es in den Regionen neue Volksabstimmungen geben.
Die Fronten zwischen Befürwortern und Kritikern sind verhärtet. Ein Sprecher der oppositionellen Demokratischen Partei (PD) sagte, der Beschluss führe zu einem "Rückschritt um 20 Jahre". Der Vorsitzende der Anti-Korruptionspartei Italien der Werte, Antonio Di Pietro, sprach von einer "Zeitbombe". Dagegen meinte der Chef des italienischen Energieriesen Enel, Fulvio Conti, in Rom sei eine "historische Entscheidung" von strategischer Bedeutung gefallen. Der Strom in Italien soll künftig zu einem Viertel aus Atomkraftwerken stammen.
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