Interview: Endgeräte und Flatrates pushen mobiles Internet
Frankfurt - Mobiles Internet auf dem Handy ist nach Meinung von Experten dank benutzerfreundlicher Endgeräte und Datenflatrates auf dem Weg zur Massenanwendung. "Beides war eine große Hemmschwelle", sagte Telekom-Experte Nikolaus Mohr von der Beratungsgesellschaft Accenture der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch. Die Nutzung des mobilen Internet bei Besitzern von Smartphones sei noch einmal deutlicher gestiegen als mit klassischen internetfähigen Handys. 41 Prozent derjenigen, die ein Touchscreen-Handy besitzen, und 59 Prozent der Handy-Kunden mit Flatrate surften bereits täglich. "Die Benutzeroberfläche stimuliert die Nutzung", sagt Mohr, die Deckelung der Kosten durch Flatrates sei aber ebenso wichtig.
Dabei gehen laut der Erhebung "Mobile Web Watch 2008" von Accenture inzwischen rund 7,7 Millionen Handybesitzer in Deutschland mit ihrem Mobiltelefon auch ins Internet - rund doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Damit surft fast jeder fünfte Internetnutzer auch mobil. Allerdings hätten es die Kunden gern noch günstiger, schneller und bequemer: 63 Prozent derjenigen, die bereits mit ihrem Handy im Internet unterwegs sind, würden es intensiver nutzen, wenn Flatrates günstiger wären. 54 Prozent würden noch mehr surfen, wenn die Verbindungen schneller wären. Zwei von fünf Nutzern würden unterwegs mehr Zeit im Netz verbringen, wenn die Seiten übersichtlicher und die Handys einfacher zu bedienen wären.
In der Hauptsache wird mobiles Internet immer noch zur Informationsbeschaffung genutzt. Nur die jüngeren Anwender fragten verstärkt "hippe" Anwendungen wie Musik-Downloads, Seiten von sozialen Netzwerken oder Spiele nach, sagt Mohr. Besonders auffällig sei die steigende Anwendung von Instant Messagern anstatt SMS. "Die junge Zielgruppe überträgt ihr Verhalten aus dem Internet, außerdem bieten neue Geräte eine vereinfachte Nutzung", erklärt Mohr den Trend.
Grundsätzlich müssen sich die Betreiber nach Meinung der Accenture-Experten allerdings in Zukunft die Frage nach dem Mehrwert stellen, den sie ihren Kunden mit mobilem Internet bieten können. Denn nur 15 Prozent derjenigen, die noch kein mobiles Internet nutzen, wollen in den kommenden zwölf Monaten mobil online gehen. Dabei ist das nicht unbedingt eine Frage des Preises. Nur 22 Prozent der "mobilen Nonliner", finden die Preise für Daten-Pauschalen noch zu hoch. Auf der anderen Seite sind wie im klassischen Internet nur wenige bereit, für zusätzliche Dienste wie Navigationsdienste auf ihrem Handy Geld auszugeben. "Die Auswahl an Anwendungen wird sich sehr stark ausdifferenzieren und am Bedarf orientieren müssen", sagt Mohr. "Nur wo der Mehrwert transparent ist, sind die Kunden auch bereit, dafür zu zahlen." In Zukunft werde deshalb vor allem auch die Frage mit eine Rolle spielen, welche Anwendungen in den Flatrates inklusive sind und welche nicht.
Mit der Zahl der Angebote steigen außerdem auch die Sicherheitsbedenken. Rund 76 Prozent der Befragten würden Verschlüsselungstechnologien befürworten, 71 Prozent würden sich mit einer Firewall besser fühlen. "Von der grundsätzlichen Entscheidung wird das nicht abhalten, die Bedenken sind aber vorhanden", sagte Mohr. Bestimmte Dienste wie Online-Banking werden aber seiner Meinung nach immer skeptischer betrachtet werden.
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