Im Atommülllager Asse lagern tonnenweise Gifte und Pestizide
Wolfenbüttel - In dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse in Niedersachsen befinden sich neben radioaktiven Abfällen auch tonnenweise Giftstoffe und Pestizide. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigte am Mittwoch einen Bericht des Magazins "stern", wonach rund eine halbe Tonne hochgiftiges Arsen dort lagert. Giftige Stoffe wie Arsen, Quecksilber und Blei seien grundsätzlich in dem eingelagerten radioaktiven Abfall enthalten, sagte BfS-Sprecher Florian Emrich. Unter den 126 000 Fässern mit nuklearem Abfall befänden sich auch gut ein Dutzend Fässer mit entsorgten hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln.
Um über die Zukunft des Lagers bei Wolfenbüttel zu entscheiden, inventarisiert das BfS derzeit die im Laufe der Jahre angelieferten Abfälle. "Es ist schon bemerkenswert, dass es Hinweise auf eingelagerte Pflanzenschutzmittel gibt", sagte Emrich. Noch vor zwei Monaten hatte das BfS vor "Überraschungen" bei der Erkundung der Inhalte des Lagers gewarnt. Das BfS übernahm zum Jahresanfang die Verantwortung für die Asse. Der frühere Betreiber, das Helmholtz Zentrum, wurde wegen des sorglosen Umgangs mit den gefährlichen Stoffen abgelöst.
Das Umweltministerium in Hannover hatte am Mittwoch zunächst keine weiteren Erkenntnisse zu den Giftstoffen. Nach dem "stern"-Bericht befinden sich tonnenweise Blei sowie hochgiftige Pflanzenschutzmittel aus Bayern in der Asse. Die Giftstoffe könnten bei Kontakt mit Grundwasser genauso zu einer Gefahr werden, wie die radioaktiven Abfälle.
Das BfS prüft zurzeit verschiedene Optionen zur Sanierung des rund 100 Jahre alten Bergwerks, das durch einsickerndes Wasser immer instabiler wird. Möglicherweise muss der bis 1978 eingelagerte Abfall wieder an die Oberfläche geholt werden. Dies könnte milliardenschwere Kosten und jahrelange Sanierungsarbeiten nach sich ziehen.
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