Huawei Mate 9 im Test: Ganz groß aufgetischt

Heidelberg - XXL-Bildschirm, Aluminium-Gehäuse, bärenstarker Prozessor, enorm lange Laufzeit und eine Dual-Kamera von Leica: Das Huawei Mate 9 klingt als sei von allem nur das Beste verarbeitet worden. Gibt es da wirklich keinen Haken? Der Test.

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Bild: Huawei Mate 9 Porsche Design Bild: ©Huawei Technologies Co. Ltd. / Text: Verivox

Tabphones liegen weiterhin voll im Trend: Vielen Nutzern kann der Touchscreen gar nicht groß genug sein. Daher dürfte Huawei mit dem Mate 9 wohl den Geschmack zahlreicher Kunden treffen. Mit 5,88 Zoll oder 149 Millimetern gehört der Bildschirm zu den größten im Lande: Rang drei aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones, um genau zu sein. Weiterer Pluspunkt: Dank des Dual-Domain-IPS-Panels kann sich die Blickwinkelstabilität wahrlich sehen lassen, das erinnert qualitativ an die hervorragende Mattscheibe des HTC 10. Auch die Helligkeit von glatten 600 Candela pro Quadratmeter gehört mit zur Spitzenklasse: 25 Prozent über dem Mittel für LCD-Panels, die Lesbarkeit im Freien ist mithin exzellent. Der Vorgänger, das Huawei Mate 8, ist mit seinen 5,98 Zoll respektive 152 Millimetern aber noch einen Hauch größer.

Akzeptable Auflösung

Einen Punkt gibt es jedoch, den Interessenten bedenken sollten: Die Auflösung beträgt wie beim Vorgänger lediglich 1980 x 1920 Bildpunkte, was bei einem dermaßen üppigen Monitor zu einer mäßigen Schärfe von 218 Pixel pro Quadratmillimeter oder 375 ppi führt. Damit liegt der Proband 19 Prozent unter dem derzeitigen Schnitt. Das ist suboptimal, zumal Huawei eine sportliche Preisempfehlung von 699 Euro für das Mate 9 aufruft. Andererseits sollten sich Interessenten von diesen Zahlen keinesfalls in die Irre führen lassen: Denn in der Praxis merkt man davon herzlich wenig. Das folgende Video vom Launch des Mate 9 zeigt nämlich ab Minute 5:58 den direkten Vergleich mit der Porsche-Edition des Mate 9, welche eine Auflösung von 1440 x 2560 Pixel bei 5,5 Zoll aufweist: Da lässt sich ein Unterschied allenfalls bei sehr genauem Hinsehen ausmachen.

Bärenstarker Prozessor

Darüber hinaus hat das Mate 9 noch einige Asse im Ärmel, welche die Bereitschaft, beim Display ein Auge zuzudrücken, erheblich steigern dürften. Dazu zählt der Prozessor: Unter der Metallhaube steckt nämlich der brandneue Kirin 960, dessen acht Kerne je zur Hälfte mit 1,8 und 2,4 Gigahertz getaktet sind. Mehr noch: Vier dieser Kerne basieren auf der ebenfalls nagelneuen Cortext-A73-Architektur, welche ihren Vorgänger Cortex A72 erheblich in Sachen Leistung übertreffen soll, dabei aber weniger Energie benötigt. Neu außerdem der Grafikchip Mali G71. Unterstützt wird der Rechner von strammen 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Damit erzielt der Kandidat in der Gesamtwertung von mehr als 50 erfassten Einzelwerten aus 15 der bekanntesten Benchmarks ein Ergebnis, das 95 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Damit steigt der Proband auf Rang 6 in die Charts ein – wobei die ersten 5 Plätze von iPhones belegt werden. Das Mate 9 stellt damit das mächtigste Android-Smartphone am Markt dar!

Marathon-Mobil

Positive Nachrichten auch vom Akku: Der fest verbaute Lithium-Polymer-Stromspeicher fasst laut Huawei 4.000 Milliamperestunden, Apps zeigen jedoch „nur“ 3.900 Milliamperestunden an. Über diese Abweichung müssen sich Interessenten allerdings keinerlei Gedanken machen, denn in jedem Fall beeindrucken die Laufzeiten: Bei der Wiedergabe eines Videos mit auf 200 Candela gedimmtem Display im Flugmodus hält der Kandidat 718 Minuten lang durch: 46 Prozent länger als üblich. Und das bei einem so ausladenden Bildschirm – erstklassig! Mit einer solchen Laufleistung kommen selbst Intensivnutzer durch den Tag, Normalnutzer dürften sogar zwei ganze Tage schaffen ohne nachtanken zu müssen. Das Mate 8 rangiert mit 544 Minuten lediglich 11 Prozent über dem Mittel.

Schnell betankt

Das Laden klappt enorm zügig dank des starken Netzteils, das Huawei serienmäßig beilegt. Dieses spuckt 4,5 Ampere aus; üblich sind meist 1 bis 2 Ampere. Das erklärt auch die Ergebnisse der Ladezeiten-Tests: Der zuvor vollständig geleerte Akku weist nach 15 Minuten bereits wieder einen Stand von 28 Prozent auf, nach 30 Minuten sind es 55 Prozent und nach einer Stunde 85 Prozent. Für die volle Ladung benötigt das Huawei 122 Minuten: Gerechnet auf 3.900 Milliamperestunden sind das 40 Prozent weniger als üblich. Allerdings sei bedacht, dass schnelles Laden nach derzeitigem Kenntnisstand den Akku fünfmal früher abnutzt als ohnehin, Details hierzu finden sich im Test des Sony Xperia X. Nutzern sei daher geraten, wann immer möglich Netzteile mit 1 bis 1,5 Ampere zu verwenden und die Schnellladung nur im Notfall zu verwenden.

Speicher satt

Der interne Speicher fasst 64 Gigabyte, von denen netto 48,16 Gigabyte übrigbleiben. Das kann sich sehen lassen: In Relation zur Preisempfehlung von 699 Euro erhalten Käufer 54 Prozent mehr Netto-Speicher für ihr Geld als üblich. Per Micro-SD-Karte kann das Gedächtnis um offiziell bis zu 2 Terabyte erweitert werden, maximal sind derzeit Chips mit 256 Gigabyte verfügbar. Anwender haben zudem die Wahl, anstelle der Speicherkarte eine zweite Nano-SIM einzulegen, um das Mate 9 als Dual-SIM-Telefon einzusetzen. Darüber hinaus beherrscht der Chinese USB On-the-Go, es lassen sich also mit Hilfe eines optionalen Adapters beispielsweise USB-Sticks anschließen. Zu beachten ist beim Kauf eines solchen Adapters jedoch, dass im Mate 9 die neue USB-Buchse „Typ C“ steckt, bei der sich Kabel beidseitig einstöpseln lassen. Diese ist nicht kompatibel mit den bisher üblichen Micro-USB-Anschlüssen.

Fixer Funk

Auch die restliche Ausstattung ist nicht von schlechten Eltern: LTE mit nominal 600 Megabit pro Sekunde, WLAN ac, Bluetooth 4.2 und NFC decken die aktuellen Funkstandards ab. Hinzu kommt ein Fingerabdrucksensor auf der Rückseite sowie ein Infrarotsender zur Nutzung des Telefons als Fernbedienung für TV & Co in der Kopfseite. Vergebens sucht man lediglich ein UKW-Radio sowie einen IP-Schutz vor Staub und Wasser. Immerhin gibt Huawei an, sämtliche Bauteile seien einer Nano-Beschichtung überzogen: Dank dieser perlen Flüssigkeiten ab, was die Elektronik zu einem gewissen Grad schützt. Sollte das Mate 9 also zum Beispiel ins Wasser fallen, besteht zwar keine Garantie, aber zumindest eine Chance, das Telefon zu retten. In solchen Fällen sollte man das Gerät sofort ausschalten, mindestens einen Tag lang an einem warmen Ort trocknen lassen und vor allen Dingen keinesfalls an andere Geräte oder gar das Netzteil anschließen.

Kombi-Kamera

Schon beim P9 setzte Huawei auf eine Dual-Kamera von Leica, nun sprechen die Chinesen von „Version 2.0“. Der Schwarzweiß-Sensor erfasst 20 Megapixel, der Farbsensor 12 Megapixel – daraus erstellt die Software kombinierte Fotos von bis zu 19,7 Megapixel. Beim P9 beträgt die maximale Auflösung knapp 12 Megapixel. Neu ist zudem der „Hybrid-Zoom“, ein zwar nicht optischer aber dennoch verlustfreier Zoom, der sich aus den Daten der beiden Sensoren ergibt. Außerdem verfügt das Mate 9 im Gegensatz zum P9 über einen optischen Bildstabilisator. Der zweifarbige LED-Blitz auf der Rückseite liefert 51 Lux und leuchtet damit den Nahbereich sehr ordentlich aus. Die Frontkamera schießt Selfies mit Autofokus und 8 Megapixel, bei Dunkelheit hellt auf Wunsch das Display die Szenerie auf, doch entsprechen dessen 5 Lux gerade mal dem Licht von 5 Kerzen auf einem Meter Entfernung. Aber immer noch besser als gar nichts. Die Kamera-App samt manuellem („Pro“) Modus und Tiefenschärfe-Effekten entspricht derjenigen des Huawei P9, wie im folgenden Hands-on-Video vorgestellt:

Schönwetter-Kamera

Bei Tageslicht fängt die Kamera des Mate 9 Fotos in hervorragender Schärfe ein, auch Farbtreue und Kontraste gefallen gut. Die Details dürften jedoch gern präziser ausfallen. Nachteilig auch, dass sich der Kontrastoptimierer HDR nicht auf Wunsch automatisch zuschaltet und in den meisten Testaufnahmen auch keine solch deutliche Qualitätssteigerung bringt wie bei den meisten anderen Smartphones. Bei mittleren Lichtbedingungen wie in geschlossenen Räumen nimmt die Schärfe erheblich ab, Kanten fransen ein wenig aus. Außerdem werden Aufnahmen bei hohen ISO-Zahlen meist recht hell und wirken dadurch milchig. Vor allen Dingen aber enttäuscht der optische Stabilisator, denn etliche Testfotos waren aufgrund der langen Belichtungszeiten nicht richtig scharf. Das dürfte daran liegen, dass allein die 12-Megapixel-Kamera mit Farbsensor optisch beruhigt wird, die monochrome Kamera mit 20 Megapixel setzt auf einen elektronischen Stabilisator. Bei schlechten Lichtverhältnissen wie am Abend zeigt sich dieser Nachteil noch deutlicher. Immerhin hält sich das Bildrauschen erfreulich zurück. Kurzum: Bei ausreichend Licht und einer ruhigen Hand erzielt das Mate 9 tolle Fotos, weshalb es am Ende trotz der Kritik noch ein knappes „Sehr gut“ gibt. Das entspricht dem Niveau des Huawei P9 und stellt eine erhebliche Verbesserung dar im Vergleich zum Vorgänger, dem Mate 8 mit seinem „Befriedigend“. Dennoch ein wenig enttäuschend, denn die Chinesen schüren gemeinsam mit der Traditionsmarke Leica höhere Erwartungen.

Knackig in Ultra HD

Videos nimmt der Kandidat in Full HD (1920 x 1080 Pixel) mit wahlweise 30 oder 60 Bildern pro Sekunde oder in Ultra HD („4K“, 3840 x 2160 Pixel) bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Frontkamera schafft Full HD. Schon in Full HD gefällt die Schärfe der Clips, die Detailtreue bleibt indes eher mittelmäßig und ein leichtes Grieseln ist erkennbar. Farben und Kontraste gelingen jedoch prima. In Ultra HD sind Schärfe und Details jedoch exquisit, ebenso wie der Stereo-Ton. Allerdings fällt bei der Sichtprüfung auf einem Panasonic TX-65CZW954 ein leichtes Flackern auf, selbst bei langsamen Schwenks. Das dürfte wohl an der für UHD zu knappen Datenrate von 30 Megabit pro Sekunde liegen; besser wären 50, doch das kostet wertvollen Speicherplatz. Auf der anderen Seite betrachtet man Videos ja nicht alle Tage auf einem 65-Zoll-Fernseher, weshalb es in der Videowertung trotzdem zu einem „Sehr gut“ reicht. Auch das eine erhebliche Steigerung zum Mate 8, welches in dieser Disziplin lediglich ein hauchdünnes „Ausreichend“ erzielte.

Semi-Stereo

Auch wenn Huawei von Stereo-Lautsprechern spricht, so kann man über diese Definition durchaus geteilter Meinung sein. Denn während der erste Lautsprecher in der Unterkante den Erwartungen entspricht, so sitzt der zweite oben auf der Front und dient hauptsächlich als Hörmuschel für Telefonate. Soll letzterer beispielsweise Musik wiedergeben, entpuppt er sich als arg leise und rein hochfrequent – selbst im Querformat kommt beim Mate 9 daher nur ein marginaler stereoskopischer Effekt zustande. Das geht bestenfalls als „Semi-Stereo“ durch.

Klangqualität

Am Kopfhörerausgang und an den Referenzhörern, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt der Kandidat einen kräftigen Sound. Die Bässe klingen jedoch minimal weniger voluminös als bei der Referenz, dem Samsung Galaxy Note 4. Aber dieser Unterschied ist so gering, dass man da schon ganz genau hinhören muss. Bei den Höhen bricht der Frequenzgang hingegen eindeutig früher ein als bei der Referenz, diese tönen daher nicht ganz so spritzig und präzise. Das führt im Gesamteindruck zu einem etwas dumpferen Klang als beim Samsung. Nicht dramatisch, aber immerhin genug, um die Audiowertung auf „gut“ zu drücken.

Extrem stabil

Das Huawei Mate 9 kann aber noch mit einem weiteren Plus aufwarten: Das Aluminium-Gehäuse erweist sich nämlich als extrem stabil. Im Verwindungstest gibt es keinen Mucks von sich und die Bewegung spielt sich gefühlt so gering ab wie bei einem Backstein. Vor allen Dingen aber drückt das Deckglas nirgends durch auf das Panel, was auf Dauer Pixel beschädigen könnte. Top! Eine solche Stabilität ist umso bemerkenswerter, als dass es sich um ein üppiges Tabphone mit Maßen von 79 x 157 Millimetern handelt. Die Dicke liegt zwischen 4,5 Millimetern am Rand und 9,0 Millimetern an der rückwärtigen Kamera, das Gewicht beträgt 194 Gramm und bleibt damit im für diese Bildschirmgröße üblichen Rahmen. Interessenten sollten sich dessen bewusst sein, dass der Daumen ohne Umgreifen lediglich 40 Prozent des Touchscreens erreicht, für die Bedienung mit einer Hand eignet sich das Mate 9 mithin nur sehr eingeschränkt. Weshalb umso weniger nachvollzogen werden kann, dass es sich nicht durchgehend im Querformat bedienen lässt wie etwa das Sony Xperia XZ, bei dem sich auf Wunsch auch die Homescreens und das Menü mit ins Querformat drehen. Schade!

Android 7 „Nougat“

Als Betriebssystem kommt Android 7.0 zum Einsatz, über das Huawei seine Nutzeroberfläche „Emotion UI“ legt. Deren fünfte Generation weist etliche Neuerungen auf. So kehrt beispielsweise auf Wunsch das Menü zurück, das in den letzten Jahren bei Huawei fehlte oder durch Apps von Drittanbietern simuliert werden musste. Nun kann der Anwender durch eine einfache Auswahl in den Optionen entscheiden, welche Darstellungsform er bevorzugt. Mehr zum Menü im Hands-on-Video zum Mate 9:

Emotion UI 5.0

Die „EMUI 5.0“ macht außerdem Schluss mit der bisherigen Zweiteilung des Info-Centers in „Benachrichtigungen“ und „Verknüpfungen“, wie ebenfalls im obigen Video zu sehen: Ein Wisch vom oberen Bildrand führt nun Android-konform zunächst zu den Benachrichtigungen und ersten fünf Schnellzugriffen, ein zweiter Wisch (oder direkt eine Abwärtsbewegung mit zwei Fingern) zu den kompletten Schnellzugriffen, die sich per „drag & drop“ anpassen lassen.

Neue Android-Funktionen

Android 7 führt ferner die Möglichkeit ein, beispielsweise Textnachrichten direkt im Benachrichtigungscenter zu beantworten oder Kontakte zu blockieren, siehe hierzu das folgende Video mit den neuen Funktionen von Android 7:

Allerdings behält Google (zumindest derzeit noch) einige Funktionen exklusiv dem Pixel und Pixel XL vor. Dazu zählen etwa das Öffnen des Menüs durch eine Wischgeste vom unteren Bildrand, das Öffnen von Popup-Fenstern mit kontextsensitiven Optionen durch Gedrückthalten eines Icons und der „Google Assistant“ mit seiner erweiterten Sprachsteuerung. Zum momentanen Zeitpunkt lässt sich noch nicht sagen, welche dieser Funktionen mit dem Update auf Android 7.1 kommen respektive von Huawei übernommen werden.

Bleibt schnell

Neben solchen Optimierungen von Design und Nutzerführung hat Huawei aber auch hinter den Kulissen etliches geändert. So kommt ein neues Dateisystem („F2FS“) zum Einsatz, das zudem automatisch bereinigt und defragmentiert wird. Auf diese Weise soll das Mate 9 laut Hersteller auch nach 18 Monaten noch so flüssig laufen wie am ersten Tag. Darüber hinaus lernt die Software, welche Apps wann wie genutzt werden und schließt daraus, welche Datenströme dringend sind (etwa Skype) und leitet diese mit hoher Priorität durch, andere (wie beispielsweise die Aktualisierung des Wetterberichts) werden gemächlicher transportiert.

Fingerabdruck-Sensor

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite entsperrt das Telefon bemerkenswert schnell und zuverlässig. Den bis zu fünf Fingern kann man allerdings keine Kontakte zuordnen, um diese mit einem Tipp anzurufen. Stattdessen lässt sich der Sensor dazu nutzen, um etwa durch die Fotogalerie zu scrollen, Alarme zu stoppen, Anrufe entgegenzunehmen oder Fotos und Videos aufzunehmen. Nicht zuletzt besteht die Möglichkeit, maximal zwei „Tresore“ für durch den Fingerabdruck geschützte Fotos, Videos und andere Dateien anzulegen.

Kleine Patzer

Insgesamt gefällt die Handhabung ausgesprochen gut, auch wenn nicht alles perfekt läuft. So bleibt zum Beispiel die Kritik bestehen, dass sich die Einstellungen der Kamera-App nicht im Querformat lesen und mithin nutzen lassen – und das ist bei der Hauptkamera nun mal das primäre Format. Das muss nicht sein! Ebenso wenig wie der Umstand, dass jede USB-Verbindung zum PC einzeln manuell auf dem Telefon in den „MTP“-Modus versetzt werden muss, andernfalls findet der Windows Explorer nicht den Inhalt des Telefonspeichers. Hier fehlt schlichtweg die Option, einen gewünschten Modus als Standard zu definieren. Nicht zuletzt wird „Tap 2 Wake“ vermisst, das Telefon lässt sich also nicht durch einen Doppeltipp auf den Touchscreen aus dem Standby-Modus wecken. Wer den Fingerabdrucksensor verwendet, wird diese Funktion kaum vermissen, doch es möchte schließlich nicht jeder seine Fingerabdrücke einscannen. Außerdem lässt sich der Sensor nicht immer (schnell) erreichen, etwa wenn das Telefon auf dem Tisch liegt. Optimal wäre daher, wenn das Mate 9 beide Features unterstützen würde. Aber das sind Kleinigkeiten, die den positiven Gesamteindruck nur marginal zu trüben vermögen.

Fazit

Fatale Schnitzer erlaubt sich das Huawei Mate 9 nicht, gänzlich perfekt ist es aber auch nicht. So verspricht man sich von der Leica-Dual-Kamera mit fast 20 Megapixel etwas bessere Resultate. Vor allem der optische Stabilisator enttäuscht, weshalb Fotos bei mäßigen und schlechten Lichtverhältnissen nicht mit der (optisch stabilisierten) Konkurrenz mithalten können. Für ein knappes „Sehr gut“ reicht es aufgrund der hohen Schärfe dennoch. Ähnliches gilt für die UHD/4K-Videos. Der Klang am Kopfhörerausgang erzielt gar „nur“ ein „Gut“, weil das Gesamtergebnis ein wenig dumpf wirkt. Doch mit alldem kann man durchaus leben.

Zumal das Mate 9 in anderen Disziplinen auftrumpft: So macht der bärenstarke Kirin 960 Prozessor das Huawei zum schnellsten Android-Smartphone am Markt und der fest verbaute Akku sollte selbst Intensivnutzer durch den Tag bringen. Darüber hinaus erhalten Käufer mit 54 (netto: 48) Gigabyte erweiterbarem Gedächtnis weit mehr Speicher als für die Preisempfehlung von 699 Euro üblich.

Als weiteres Plus sieht das Mate 9 in seiner Alu-Hülle nicht nur edel aus, sondern diese erweist sich auch als ausgesprochen stabil. Das Display mit knapp 5,9 Zoll (149 Millimeter) ist qualitativ top und erfreulich hell, allein die Auflösung von 1080 x 1920 Pixel dürfte höher sein, reicht aber dennoch völlig aus.

Die restliche Ausstattung samt schnellem LTE, WLAN ac, Bluetooth 4.2, NFC, Fingerabdrucksensor und Infrarotsender lässt bis auf ein UKW-Radio kaum Wünsche offen. Ein IP-Schutz vor Staub und Wasser fehlt zwar, doch immerhin sind sämtliche Bauteile mit einer Nano-Beschichtung vor Feuchtigkeit geschützt. Die Verarbeitung ist exzellent, die Bedienung weitgehend komfortabel.

Der SAR-Wert fällt mit 1,64 Watt pro Kilogramm am Kopf ziemlich hoch aus, so wie auch beim iPhone 7 Plus. Erlaubt sind zwar bis zu 2 Watt, doch begnügen sich die meisten Smartphones mit rund 0,4 bis 1 Watt, das Mate 9 liegt also schon deutlich über dem Schnitt. Doch wer nur wenig telefoniert, Zubehör wie (Bluetooth-) Kopfhörer nutzt oder primär mit dem Smartphone vor dem Körper andere Dienste nutzt, muss sich darüber keine Gedanken machen.

In der Gesamtwertung steigt das Huawei Mate 9 auf Rang 3 in die Charts ein, beim Preis-Leistungs-Verhältnis liegt es 46 Prozent unter dem aktuellen Durchschnitt. Wobei Flaggschiffe in aller Regel zwischen 30 und 60 Prozent unter Durchschnitt beginnen, der Wert des Mate 9 bleibt da also genau in der Mitte des Üblichen. Spannend wird es ab 615 Euro, denn ab diesem Preis kehrt sich die Preis-Leistungs-Wertung des Mate 9 ins Positive.

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