Hoffnungsträger Breitbandgeschäft - Preissturz bei Telekomfirmen
Mit der Aufrüstung ihrer Netze für den schnellen Datentransfer reagieren die Konzerne auf die sinkenden Erlöse im Geschäft mit der Sprachtelefonie. Um elf Prozent verbilligten sich Handy-Gespräche im vergangenen Jahr. "Ich erwarte, dass die Preise für Handy-Gespräche weiter sinken", sagt Vodafone-Deutschlandchef Friedrich Joussen. Die Preise für Telefonate über das Festnetz befinden sich bereits auf einem historischen Tiefstand. In den Jahren bis 2005 hatten die Unternehmen trotz sinkender Tarife kräftige Zuwächse verzeichnet - die Kunden geben deutlich mehr für Telekomdienste aus als noch vor zehn Jahren. Doch mit dem Wachstum ist seit dem vergangenen Jahr Schluss. Nach Angaben des Branchenverbands BITKOM stagnierte der Umsatz mit 66 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Auch für 2007 erwartet der Verband keinen Zuwachs.
Die Telekom-Manager haben die Hoffnung auf einen weiteres Wachstum dennoch nicht aufgegeben. Neue Dienste wie Fernsehen über das Internet oder über das Mobilfunknetz sollen für zusätzliche Umsätze sorgen. Die schon seit Jahren beschworenen "Triple Play"-Angebote - eine Bündelung von Telefonie, Internet und Unterhaltungsinhalten - sollen also Wirklichkeit werden.
United Internet oder die Telekom haben bereits entsprechende Angebote auf dem Markt. Die Deutsche Telekom sicherte sich beispielsweise die Rechte für die Internet-Übertragung von Spielen der Fußball-Bundesliga. Die Nachfrage bleibt indes verhalten. Die Kunden müssen die neue Vielfalt erst verstehen; und das kostet viele Werbemillionen.
Profitieren wollen die Telekom oder Vodafone weniger von dem Produzieren entsprechender Inhalte, sondern von dem Transport über ihr Netz. Um die Nutzung zu erhöhen und neue Kundenkreise zu erschließen, senken die Anbieter die Preise für DSL-Anschlüsse und den mobilen Datenzugang. Bei T-Mobile kostet ein Megabyte nur noch einen Cent zuvor lagen die Tarife bei bis zu 20 Euro pro Megabyte. Vodafone-Chef Joussen sieht keinen Grund nachzuziehen: Das Angebot von Vodafone seit konkurrenzfähig zu dem von T-Mobile. Vorgeprescht ist auch der kleinste Anbieter, die Münchner O2. Für 25 Euro könnten die Kunden "nahezu" unbegrenzt mobil surfen, sagt O2-Chef Rudi Gröger. Das Netz der Telefónica-Tochter fällt in der Qualität allerdings hinter das der Wettbewerber zurück. "Die Infrastruktur von O2 ist nur im Ansatz ausgebaut", heißt es im Umfeld der Gesellschaft.
Experten zweifeln an den ambitionierten Plänen der Telekom- Manager. "Falls die Preise weiter fallen, dann rechnen sich die Investitionen für die Netze immer weniger", sagt Martin Gutberlet von der Marktforschungsgesellschaft Gartner. Auch Joussen räumt ein: "Der Preisverfall drückt auf die Margen." Der erhoffte Umsatztreiber Fernsehen über das Internet (IPTV) könnte sich nach Einschätzung von Gutberlet als Luftnummer entpuppen. "Der Ausbau der Breitbandigkeit macht Sinn, aber die Hoffnungen auf IPTV halte ich für ambitioniert", sagt er. Bis zum Ende der Dekade werde der Umsatz in Westeuropa allenfalls auf drei Milliarden Euro wachsen. Dies ist aber nur ein Bruchteil dessen, was die Unternehmen durch den Preiskampf verlieren werden.
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