Hintergrund: Wurm Sasser brachte es zu trauriger Berühmtheit
Heutige Viren und Würmer richten in der Mehrzahl weitaus aggressiver Schaden an als etwa noch vor einem Jahr. Vor allem die so genannten Phishing-Attacken haben es allein auf Betrug abgesehen. Mit zum Teil täuschend echt gefälschten E-Mails versuchen sie, die Adressaten zur Preisgabe von geheimen Daten wie PIN und TAN-Nummern zu bewegen. Mit den geklauten Daten versuchen die Betrüger dann, die Konten der Nutzer leer zu räumen. "Das geht dann meist gleich richtig ans Geld", sagte Fischer. Waren es vor nicht allzu langer Zeit noch hauptsächlich junge, computerbegeisterte Hobby-Programmierer, die die Nutzer in Atem gehalten haben, vermuten Experten hinter den jüngsten kriminellen Attacken inzwischen regelrechte Banden der organisierten Kriminalität.
Nach einer jüngsten Umfrage des Marktforschungsinstituts Gartner sind die Schäden für Banken und auch für die Internet-Wirtschaft bereits erheblich. In den USA sind danach über 80 Prozent der Internet-Nutzer besorgt um die Sicherheit ihrer Daten. Die Zahl der Empfänger von Phishing-Mails sei im vergangenen Jahr von noch 57 Millionen ein Jahr zuvor auf 73 Millionen um 28 Prozent gestiegen. Ein Drittel der Befragten will auf Grund von Sicherheitsbedenken künftig weniger im Internet einkaufen.
Solche Schadroutinen besass der von dem damals 17-jährigen Schüler aus Waffensen bei Bremen programmierte Computerwurm Sasser noch nicht. Dennoch richtete er einen geschätzten Schaden von vielen Millionen Euro an. Allein bei der Europäischen Kommission waren weit über tausend PCs ausgefallen, die Fluglinie Delta Airlines musste zahlreiche Flüge streichen. Sasser hatte sich über eine schon länger bekannte Schwachstelle von Microsofts Betriebssystemen Windows XP und 2000 in die Rechner eingeschleust. Alle Anwender, die das damals bereits verfügbare Sicherheits-Update nicht installiert hatten, waren potenzielle Opfer. Die Folge waren unkontrollierte Systemabstürze.
Viele Internet-Nutzer und erst Recht Betroffene werden sich von dem anstehenden Urteil gegen den jungen Sasser-Programmierer eine abschreckende Signalwirkung erhoffen. "Es steht aber zu befürchten, dass das Verfahren eher harmlos ausgehen wird", schätzt Fischer. In vielen ähnlichen Fällen waren die Täter bislang mit Bewährungsstrafen davon gekommen. Auch wenn ein eindeutiger Straftatbestand vorliegt, sind häufig gerade die Geschädigten sehr zurückhaltend. "Unternehmen wollen keine schlechte Presse", sagt Fischer. Denn sollte sich herausstellen, dass ihre Sicherheitsmassnahmen möglicherweise unzureichend oder lückenhaft waren, könnten die Vorwürfe schnell wie ein Bumerang auf sie zurück kommen.
Weitere Nachrichten vom 28.06.2005
- AOL startet DSL-Flatrate für 9,99 Euro
- Hintergrund: ITER, die Kernfusion, ihre Voraussetzungen und die Radioaktivität
- Internetfähiges Kabelnetz für 113.000 Haushalte in Dresden
- Apple setzt auf Audioprogramme aus dem Internet
- Staatsregierung: Bayern Nummer eins bei regenerativen Energien
- DSL-Flatrates: Großer Vergleichstest bei Verivox
- Strato gewinnt DSL-Test und dreimal "sehr gut"
- Internationaler Fusionsreaktor ITER wird in Frankreich gebaut
- Aus für Aluminiumhütte Stade endgültig - noch Hoffnung für Hamburg
- Streit um Netzzugang: Mainova unterliegt vor BGH
- Verivox präsentiert neue Stromstudie – Transparenz für den Strommarkt
- Niederländischer Mobilfunk-Marktführer kauft Nummer drei
- Merkel will Breitbandtechnologie stärken
- Leipziger Wasserwerke: Mitarbeiterin zweigt 600.000 Euro ab
- Überhöhte Netzentgelte: BGH hebt Urteil des OLG Düsseldorf auf
- Internet-Wurm Sasser beschäftigt Gericht - Prozessbeginn am 5. Juli
- Yahoo! startet personalisierte Internetsuche
- Kurth: Umfassende Kontrolle der Strom- und Gasnetzbetreiber

