Hintergrund: Siemens hat bei Handys den Anschluss an die Weltspitze verloren
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Denn eine attraktive Braut ist die Handysparte nicht. Im ersten Quartal des Kalenderjahres machte Siemens mit seinen Handys erneut knapp 140 Millionen Euro Verlust. Der Weltmarktanteil brach im Jahresvergleich von 8,0 auf 5,5 Prozent ein. Zu bieten hat Siemens vor allem eine in Deutschland, Europa und Südamerika noch immer recht starke Handy-Marke. An den im internationalen Massstab vergleichsweise teuren Produktionsstandorten in Deutschland dürften mögliche Partner dagegen nur ein untergeordnetes Interesse haben.
Auch hochrangige Siemens-Manager räumen in Hintergrund-Gesprächen ein, dass die Probleme im Handygeschäft hausgemacht sind. Schon Anfang des vergangenen Jahres, also schon vor der fatalen Software- Panne im Sommer 2004, sei die Krise absehbar gewesen. Siemens hatte wichtige Trends in der schnelllebigen Branche verschlafen.
Der Konzern ist zudem kein Spezialist für das Endkundengeschäft. Die Handys sind der letzte Elektroartikel, den der Konzern komplett in Eigenregie produziert und an Endkunden verkauft. Für die Computer (Fujitsu Siemens) und die so genannte Weisse Ware (Bosch und Siemens Hausgeräte) ist der Konzern bereits Partnerschaften eingegangen. Allerdings hat Siemens bisher seine Marken nicht mehrheitlich in fremde Hände gegeben, sondern 50 Prozent behalten. Bei den Handys war der Leidensdruck nun so gross, dass der Konzern erstmals bereit war, sich von der Mehrheit zu trennen.
Einst hatte Siemens grosse Hoffnungen in das Handygeschäft gesetzt. Der damalige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer versprach den Aktionären im Februar 2000 auf der Hauptversammlung rasantes Wachstum: "Nachdem wir im Vorjahr eine Stückzahl von 11 Millionen erreicht haben, sollen es im laufenden Geschäftsjahr 30 Millionen und nächstes Jahr bereits etwa 60 Millionen werden." Doch statt der 60 Millionen verkaufte Siemens im Jahr 2000/01 dann nicht einmal die Hälfte davon. Das ehrgeizige Ziel wurde seither ebensowenig erreicht wie der angekündigte Aufstieg zum drittgrössten Anbieter.
Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld zog jetzt die Notbremse. Leidtragende könnten die 6000 Beschäftigten in Deutschland sein. Um sie zu schützen müsse Siemens die Kontrolle über das Geschäft behalten, fordert Wolfgang Müller, der für die IG Metall im Aufsichtsrat sitzt. "Wir sind total gegen einen Ausstieg." Denn ob ein asiatischer Mehrheitseigner auf Dauer an der im Weltmassstab teuren Produktion in Deutschland festhalten würde, gilt als höchst ungewiss.
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