Hintergrund: IAEO - Vom Förderer der Atomenergie zum Welt-Atomfahnder
Die rund 2200 Mitarbeiter der IAEO aus 90 Ländern fördern auch heute die friedliche Nutzung der Kernkraft und die Sicherheit von Atomkraftwerken. Dafür werden sie regelmässig von Umweltschützern weltweit gescholten. Doch seit dem Golfkrieg von 1991 ist die Behörde unter Führung des Schweden Hans Blix und seit 1997 unter dem Ägypter Mohammed el Baradei zur weltweit operierenden Atompolizei aufgestiegen, die die Weiterbereitung von Atomwaffen verhindern und atomare Missetaten aufdecken soll.
Die Neuverteilung der Aufgaben für die IAEO mit heute 137 Mitgliedstaaten und einem vergleichsweise knappen Budget von rund 275 Millionen US-Dollar begann mit dem Atomsperrvertrag von 1970. Zwar wird in ihren Labors bei Wien, Triest oder Monaco weiter an zivilen Projekten geforscht. Doch die Nicht-Weiterverbreitung von Atomwaffen sowie der Missbrauch von Atomanlagen und radioaktiver Substanzen für militärische Zwecke stehen im Mittelpunkt. Spezialisten können mit höchst empfindlichen Geräten heute nicht nur geringste Spuren radioaktiver Substanzen noch nach Jahren nachweisen, sondern auch das Herkunftsland bestimmen.
In die Schlagzeilen gerieten IAEO-Inspekteure erstmals nach dem Golfkrieg von 1991, als sie zusammen mit anderen UN-Experten im Irak nach Massenvernichtungswaffen und Raketen fahndeten. Unter massiven Druck der US-Regierung unter Präsident George W. Bush kam die Atombehörde in den Monaten vor dem Irakkrieg der USA 2003. Damals drängte Washington Baradei, endlich Beweise für das angebliche irakische Atomwaffen-Programm vorzulegen. Doch der Beweis, das "Smoking Gun", konnte nicht geliefert werden, mit dem Bush den Feldzug gegen Saddam Hussein rechtfertigen wollte.
Seit mehr als zwei Jahren ringt die Atombehörde nun mit der Regierung Irans um die umfassende Offenlegung ihres 18 Jahre lang geheimen Atomprogramms. Zwar ist es den Inspekteuren gelungen, wesentliche Teile von Teherans Atomprogramms zu erfassen. Doch noch immer gibt es dunkle Flecken in der iranischen Atom-Vergangenheit. Viel Arbeit dürfte auch noch in Nordkorea warten, das erst im September die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag und zu IAEO- Kontrollen in Aussicht stellte.
Die USA folgen den Aktivitäten der Organisation in Wien seit dem Amtsantritt von George W. Bush mit unverhohlener Skepsis. So warf der zum UN-Botschafter beförderte Ex-Staatssekretär für Rüstungskontrolle, John R. Bolton, der IAEO "Geldverschwendung, mangelnde Effizienz und Ergebnislosigkeit" vor. Die Wiener Behörde habe weder das iranische, noch das nordkoreanische Atomprogramm verhindern können. Ihr Chef liess sich bsiher nicht beirren. Baradei glaubt, dass nicht Gewalt, sondern "Kontrolle und Diplomatie die Staatengemeinschaft am Ende zum Ziel führen" werden.
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