Hintergrund: Die Telekom-Affäre und die Technik
Sie fallen jedes Mal an, wenn der Kunde eines Telekommunikations-Anbieters (Provider) telefoniert, SMS verschickt oder ins Internet geht. Telekom, Vodafone und Co. protokollieren zum Beispiel, wer mit wem redet, wann das Gespräch beginnt und endet sowie bei Handytelefonaten den Standort. Bis Ende 2007 durften die Provider die Daten 80 Tage lang aufbewahren, um die Abrechnungen erstellen zu können. Eine sechsmonatige Vorratsdatenspeicherung, wie sie der Gesetzgeber seit Jahresanfang fordert, erfolgt bei der Telekom derzeit noch nicht - es gilt eine Übergangsfrist bis Jahresende. Ab 2009 wird auch die Kommunikation über das Internet erfasst. Die Speicherung gilt nur für technische Daten, nicht die Inhalte der Gespräche. Der Aufwand ist übrigens immens: Allein im Festnetz der Telekom fallen nach Unternehmensangaben jeden Monat 10 Milliarden Datensätze an.
Die Telekom soll laut Medienberichten die Handydaten einzelner Personen genutzt haben, um deren Aufenthaltsorte festzustellen. Technisch ist das kein Problem: Wenn das Mobiltelefon eingeschaltet ist, sucht es automatisch den am besten erreichbaren Sendemast in der Umgebung. Der Bereich, den eine Station abdeckt, wird Funkzelle genannt - ihre Größe kann zwischen 50 Metern und mehreren Kilometern variieren. Sobald der Nutzer telefoniert oder eine SMS verschickt, protokollieren Telekom und Co. neben Informationen wie der gewählten Nummer und der Uhrzeit auch die Funkzelle. Technisch möglich - wenn auch aufwendiger - ist zudem eine Überwachung in Echtzeit.
Der englische Begriff für "Daten-Schürfen" hat sich auch unter deutschen Fachleuten eingebürgert. Diese Form der Datenbank-Suche hilft, große Berge an Informationen auszuwerten und bestimmte Muster zu erkennen. So analysieren Handelsunternehmen, was die Käufer bestimmter Produkte noch in den Einkaufswagen legen, und gestalten entsprechend ihr Sortiment. Aufgrund dieser Erkenntnisse würde ein Elektromarkt möglicherweise neben den MP3-Playern passende Batterien platzieren. Auch in der Wissenschaft ist die Methode gang und gäbe. Im Fall Telekom könnten die beauftragten Schnüffler ebenfalls Methoden des Data-Mining benutzt haben, um mehrere hunderttausend Datensätze auszuwerten - Details sind jedoch nicht bekannt.
Datenschützer halten es für möglich, dass bei der Telekom die Verbindungsdaten zu Kommunikationsprofilen verdichtet worden sind. Mittels Data-Mining ließen sich nicht nur Telefonverbindungen zwischen Aufsichtsräten und Journalisten herausfiltern, sondern das komplette Geflecht geschäftlicher und privater Verbindungen. Die Telekom äußert sich zu Details bislang nicht.
Die Polizei, aber auch private Detektive können aus den Daten der Handy-Ortung Bewegungsprofile erstellen - die richtige Ausrüstung vorausgesetzt. Mit Hilfe von Analyse-Software lassen sich beispielsweise die Bewegungen eines Handynutzers auf einer Landkarte visualisieren. Für diese Programme gibt es einen lukrativen Markt, da unter anderem die staatlichen Ermittlungsbehörden mit dieser Technik arbeiten. Auch Privatunternehmen dürften solche Software daher ohne große Probleme kaufen können.
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