Hilflose OPEC: Schuld an der Krise sind andere

dpa | 01.09.2005
Bild: palniki gazowe


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Wien (dpa) - Die Organisation Erdöl exportierender Länder will nach der Wirbelsturmkatastrophe am Golf von Mexiko ihre Förderquoten ab Oktober noch einmal um 500 000 Barrel (je 159 Liter) täglich erhöhen. Angesichts der Rekordpreise auf dem Weltmarkt, so meinte OPEC-Präsident Scheich Ahmed Fahd el Sabah, wolle man sicherstellen, dass "die Ölmärkte gut mit Rohöl versorgt sind". Doch Experten und OPEC-Funktionäre selbst glauben nicht, dass die Ankündigung el Sabahs zur Beruhigung der Lage - vor allem in den USA - beitragen wird.

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"Wir haben zurzeit keine Krise der Produktion, sondern eine Krise der Verbraucher", sagt OPEC-Sprecher Omar Ibrahim. Sprecher der Organisation wiederholen seit Monaten, das Problem mit den explodierenden Rohölpreisen liege nicht im "upstream"-Bereich, also der Rohöl-Förderung, sondern im "downstream", der Weiterverarbeitung bis zur Belieferung des Kunden mit Erdölprodukten. "Wir haben doch schon seit längerem eine Überproduktion von Rohöl" betont der Nigerianer Ibrahim. Und die OPEC, das von Förderländern aus dem Mittleren Osten dominierte Elfer-Kartell, hat entscheidenden Anteil daran.

Seit dem OPEC-Treffen im Frühjahr 2004 haben vor allem Saudis und Kuwaitis die Förderquoten von 23 Millionen Barrel auf etwa 30,5 Millionen Barrel in die Höhe geschraubt. Wann immer die Märkte - sprich: die Händler - von besonderer Panik ergriffen schienen, schraubte die OPEC die Förderung hoch. Doch stets wiesen Sprecher darauf hin, dass die Ölförderung nicht das eigentliche Problem sei. Auch die für Oktober angekündigte Anhebung sei deshalb "kaum mehr als Seelenmassage", wie ein OPEC-Analyst in Wien anmerkt.

"Von der gegenwärtigen Katastrophe am Golf von Mexiko einmal abgesehen, die auch die Ölförderung selbst betrifft, hapert es vor allem an der Weiterverarbeitung durch die multinationalen Ölkonzerne" klagt OPEC-Sprecher Ibrahim. "Die Mineralölgesellschaften haben es jahrzehntelang versäumt, ihre Raffinerien zu modernisieren oder neue Kapazitäten aufzubauen. Sie scheuten die Milliardeninvestitionen. Einige der Anlagen stammen sogar noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs."

Seit 1978 wurde in den USA keine neue Raffinerie mehr gebaut. Jahrelange Genehmigungsverfahren, hohe Auflagen für den Umweltschutz und die Scheu vor den Milliardeninvestitionen seien dafür verantwortlich, meint Öl-Analyst Ehsan ul-Haq vom internationalen Energie-Berater PVM in Wien. Rund ein Drittel aller Raffinerien in den USA können selbst unter optimalen Bedingungen bis heute die strengen Normen einiger Bundesstaaten zum Schutz der Umwelt nicht erfüllen. Die USA müssen also hochwertiges Benzin aus Europa teuer importieren. Dazu können viele Raffinerien das aus dem Mittleren Osten stammende, "sauere" (stark schwefelhaltige) Rohöl überhaupt nicht verarbeiten, sondern sind auf das zurzeit um bis zu zehn US- Dollar deutlich teurere "süsse" Rohöl angewiesen.

Die Folge der jahrzehntealten Versäumnisse: Weltweit fahren Raffinerien ihre Produktion mit einer Auslastung von bis zu 98 Prozent. Sie können die weltweit steigende Nachfrage nach Benzin, vor allem in den USA und China, kaum mehr befriedigen. Der Ausfall schon einer grossen Raffinerie führte in den vergangenen Monaten paradoxerweise zum Preisanstieg bei Benzin und bei Rohöl. Denn im Handel regiere die Angst, erklärt Omar Ibrahim.

Die gegenwärtige Überproduktion durch die OPEC liegt bei nur 1,5 Millionen Barrel täglich, rund 2 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Der Ausfall nur eines Ölförderlandes könnte damit jederzeit zu Engpässen führen. Im kommenden Jahr plant die OPEC eine Ausweitung der Produktion um 1,1 Millionen Barrel. Doch damit wird nicht einmal der geschätzte Mehrverbrauch von 1,6 Millionen Barrel weltweit abgedeckt.

Zur Beruhigung der gegenwärtigen Lage kann das Kartell also zunächst nichts beitragen. Langfristig aber will OPEC-Präsident el Sabah auch hier die Position der Organisation verbessern. Der Bau einer modernen Grossraffinerie in seinem Heimatland Kuwait dagehen könnte schon in wenigen Jahren etwas zur Entspannung der Lage beitragen. Ausserdem plant der Kuwaiti den Bau von Anlagen, mit deren Hilfe das "saure" OPEC-Öl künftig schon vor Ort "gesäubert" wird. Doch auch bis dahin dür



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