Heftige Proteste gegen Datenspeicherung und Telefonüberwachung
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) warnte vor katastrophalen Folgen für die Pressefreiheit, wenn künftig alle Daten von Telefon- und Internetverbindungen für ein halbes Jahr gespeichert werden.
Der DJV-Vorsitzende Michael Konken beklagte den Rangunterschied beim Schutz verschiedener Berufsgruppen. "Abgeordnete und Strafverteidiger werden im ersten Rang geschützt und dann kommen die Journalisten. Ich meine, die Journalisten müssen ganz oben stehen, weil ihre Arbeit für die Demokratie so wichtig ist." Auch die Ärzte und Anwälte protestierten gegen ein "Zwei-Klassen-System" bei den Berufsgeheimnisträgern.
Nach Angaben der Veranstalter waren am Dienstagabend etwa 10 000 Menschen den Demonstrationsaufrufen gefolgt. Bei der zentralen Kundgebung vor dem Berliner Reichstag sprach die Vizepräsidentin des Bundestages, Petra Pau (Linke). Im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung haben sich Bürgerrechtler, Datenschützer und Internetnutzer zusammengeschlossen.
Die FDP-Rechtspolitikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sieht in der Vorratsdatenspeicherung einen Richtungswechsel im Datenschutz. Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung sollte nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gerade vor unbegrenzter Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe höchstpersönlicher Daten schützen. Die Linken drohten mit einer Verfassungsklage. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hielt der Regierung vor, "alle Bürger als Verdächtige zu behandeln". Der stellvertretende Datenschutzbeauftragte Baden-Württembergs, Jörg Klingbeil, sieht ebenfalls die ganze Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt.
Die Polizeigewerkschaften verteidigten das Gesetzesvorhaben und nannten die Angst vor einem "gläsernen Bürger" unbegründet. "Der Bürger kann sicher sein, dass die Polizei verantwortungsvoll mit diesen Daten umgeht", versicherte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) warf den Kritikern Panikmache vor.
Der Richterbund hält den Gesetzentwurf für "verfassungsrechtlich bestandskräftig". In der Erfurter "Thüringer Allgemeinen" (Mittwoch) betonte Rolf Hannich, im Präsidium des Richterbundes zuständig für Strafprozessordnung: Wenn man den Gesetzentwurf sorgfältig lese, sei die Regelung insgesamt als akzeptabel zu bezeichnen. Er nannte die Proteste unter anderem der Ärztegewerkschaft ein "Trommeln der Interessengruppen". Auch die Kritik an der Vorratsdatenspeicherung hält Hannich für unangebracht. Die Verbindungsdaten würden ohnehin bereits gespeichert.
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