Heftige Diskussionen um Handy-Nutzungsverbot an Bayerns Schulen
Unterstützung der Initiative der Staatsregierung kam von Experten. Der Münchner Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Franz Josef Freisleder sagte der dpa, "die Entscheidung der Staatsregierung war vielleicht überemotional, aber notwendig." Angesichts der bekannt gewordenen Fälle von Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys sei es wichtig gewesen, "die Handbremse zu ziehen". Die Handy-Subkultur unter Heranwachsenden drohe außer Kontrolle zu geraten.
"Die Jugendlichen müssen merken, so kann es nicht weiter gehen", sagte Freisleder. Lehrer, Eltern und Schüler müssten die Problematik zum Gesprächsthema machen. "Verbote allein helfen nicht, Eltern müssen mit ihren Kindern darüber reden", sagte Freisleder. Es sei höchste Zeit, gegen Gewalt- und Pornodarstellungen auf Schüler-Handys einzugreifen. Harte Pornodarstellungen könnten bei Jugendlichen Angstpotenziale freisetzen und eine Entwicklung zum "normalen Sex" erheblich behindern.
Als Maßnahme gegen eine "zunehmende seelische Verrohung" unter Schülern hat der Leiter der Schulberatung in München, Rudolf Hänsel, im dpa-Gespräch das Handyverbot verteidigt. "Die Schule darf kein rechtsfreier Raum sein und muss geltende Rechtsnormen durchsetzen." Den Vorwurf der Lehrerverbände, ein Verbot verlagere das Problem aus der Schule, wies Hänsel zurück. Das sei wie mit Drogen, die seien in der Schule auch verboten. "Weil es außerhalb der Schulen Drogen gibt, können wir doch Drogen in der Schule nicht tolerieren." Handys seien inzwischen in der Schule zur Hauptquelle der Ablenkung geworden, wodurch die Schüler am Lernen gehindert würden.
Aus pädagogischer Sicht ist die Maßnahme dagegen fragwürdig. "Ein Verbot ist das simpelste Rezept, das leicht umgangen werden kann", sagte Ekkehard Sander, Wissenschaftler am Deutschen Jugendinstitut in München und Experte für Medien bei Heranwachsenden der dpa. Gewalt- und Pornovideos auf Schüler-Handys seien ein Jugendschutzproblem. Deshalb sei statt Verboten eine "pädagogische Reaktion" notwendig. Ein Handyverbot an Schulen mache wenig Sinn. "Das ist wie bei Tabak und Alkohol. Die sind auch in der Schule verboten, ohne dass damit die Problematik behoben wird."
Nach neuen Untersuchungen sei die Hauptnutzung von Handys in Schülerhänden das Verschicken von SMS-Nachrichten und das Herunterladen von Klingeltönen. Einzelfälle, bei denen Gewalt- und Pornovideos gefunden wurden, dürften nicht dramatisiert werden. Wichtig sei das Vorgehen gegen die Hersteller von Gewalt- und Pornoseiten im Internet, die auch Jugendlichen zugänglich seien.
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