Hausbau: Wieviel Energie-Effizienz soll es sein?

dpa/tmn, Verivox | 08.02.2016
Bild: Energieeffizienz beim Hausbau ©style-photography/iStock.com

Berlin - Die gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten steigen seit Jahren. Doch es lässt sich auch noch mehr machen. Wie weit sollte man gehen?


Die aktuellen Vorgaben entsprechen dem Standard des Effizienzhauses 70, das seit 2009 von der KfW-Bank gefördert wird. Diese neuen Richtlinien für Wohngebäude gibt jetzt die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor.

Nur noch effizientere Bauten werden in Zukunft gefördert

"Die EnEV hat nachvollzogen, was die Förderung der KfW vorweg genommen hat", sagt Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena). Die Förderungen der KfW für das Effizienzhaus 70, das damit dem gesetzlichen Mindeststandard entspricht, wird die Bank bis Ende März einstellen. Dann wird stattdessen neben den bestehenbleibenden Standards Effizienzhaus 55 und 40 noch das Effizienzhaus 40 Plus eingeführt. Bei diesen Gebäuden wird ein großer Teil des Energiebedarfs am oder im Haus erzeugt und gespeichert.

Wie viel ist sinnvoll?

Doch was heißen diese stetig strengeren Richtlinien für Bauherren? Die Verbraucherzentrale NRW warnt, dass Häuser, die heute nach dem EnEV-Standard gebaut werden, schon kurz nach Fertigstellung bautechnisch überholt sein können. Sie rät deshalb, schon jetzt nach höheren Effizienzstandards zu bauen. Ein Passivhaus komme mit ungefähr der Hälfte der Energie aus, die die neue EnEV zulässt. "Es lohnt sich, mehr zu machen", sagt auch dena-Experte Stolte. Das sei aber von den finanziellen Möglichkeiten der Bauherren abhängig. "Es ist jedenfalls kein Fehler, nur nach den Vorgaben der EnEV zu bauen."

Ersparnis läuft nicht linear

Wer nach den jetzigen Standards baut, mache wirtschaftlich nichts falsch, sagt Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in Kiel. "Ob man mehr macht, ist oft eher eine ideelle Frage. Und eine des Geldbeutels." Denn nicht immer rentieren sich die Mehrausgaben bei der eingesparten Energie. Ein Effizienzhaus 40, das nur 40 Prozent des Primärenergiebedarfs des aktuellen EnEV-Standards hat, bringt im Vergleich nicht 60 Prozent Ersparnis. "Das läuft nicht linear", erklärt Walberg. Ein Viertel bis ein Drittel weniger Energiekosten im Jahr ist laut dem Experten in dem Fall eher realistisch. "Das sollte einem klar sein, ist jedoch kein Grund, nicht trotzdem effizienter zu bauen."

Eine weitere Alternative, die spart: der Wechsel zu einem günstigen Gasanbieter. So kann eine Familie mit 20.000 kWh Jahresverbrauch durch einen Wechsel aus der Grundversorgung zum günstigsten Angebot mit empfehlenswerten Konditionen aktuell durchschnittlich knapp 620 Euro sparen.

Günstige Gastarife finden

Kommen noch strengere Forderungen?

Doch was ist dran an der Warnung der Verbraucherzentrale: Ist das Haus bautechnisch schnell überholt, wenn man nach der EnEV baut? "Die EnEV hat immer einen Standard formuliert, der noch Luft nach oben ließ", erklärt Alexander Lyssoudis von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Die EnEV beschreibe die Grenze zum oberen Drittel von dem, was tatsächlich möglich ist. Auch er rät, über die Vorgaben der EnEV hinauszugehen, wenn es finanziell möglich ist.

Ob die Vorschriften in Zukunft noch strenger werden, ist schwierig vorherzusagen. Auf dem Weg zum europäischen Niedrigstenergiestandard, der 2021 gelten soll, ist das wohl nicht auszuschließen. Andererseits seien konkrete Anforderungen der Europäischen Union noch nicht bekannt, sagt Lyssoudis. Ob die Standards noch einmal schärfer werden, hängt auch von den Produkten ab. Wenn die effizienten Baustoffe durch Nachfrage erschwinglicher werden oder neue Innovationen auf den Markt kommen, kann das für ein Anziehen der Richtlinien sorgen.

Grenzen der Wirtschaftlichkeit und der Physik

Dämmung, Effizienz der Anlagen - all jene Vorgaben der EnEV stoßen aber aktuell an wirtschaftliche Grenzen, erläutert Walberg. Das heißt? "Diese Mehrkosten werden durch die Energieeinsparungen nicht mehr in einem vernünftigen Zeitrahmen hereingeholt." Mit jener Logik komme man nicht mehr weiter, sagt er bezogen auf mögliche Verschärfungen der Standards in der nahen Zukunft.

Der bauliche Wärmeschutz stößt momentan an seine physikalischen Grenzen, sagt auch Lyssoudis. "Andererseits geben neue Standards häufig erst einen besonderen Kick für neue Entwicklungen bei den Baustoffen." Der neue KfW-Höchststandard 40 Plus geht schon in Richtung Plusenergiehaus. In der Regel sorgt dort eine Photovoltaik-Anlage für die Stromgewinnung, ganz selten sind es laut Walberg Windräder oder Biogas-Anlagen. In jener höchsten Förderkategorie werden 15 Prozent der Baukosten mittels eines Tilgungszuschusses finanziert.

Plusenergiehäuser produzieren Energie, verdienen aber nicht zwingend Geld

Das Plusenergiehaus geht aber noch weiter. Hier fällt die Primärenergiebilanz über ein Jahr gesehen positiv aus. Man spart Energiekosten und nimmt noch Geld ein, könnte man meinen. Doch diese Rechnung funktioniert so nicht ganz, wie Lyssoudis erklärt: "Geld spart man auf jeden Fall, aber Geld verdienen wird man mit so einem Haus noch nicht." Denn Sonne etwa scheint nicht ganzjährig. Da die Technik der Speicher nicht weit genug ist, Strom langfristig zu speichern, müsse man auch Energie über externe Quellen nutzen, erklärt Lyssoudis. Ob sich allerdings die Stromeinspeisung lohnt, hängt von vielen Faktoren ab, ergänzt Walberg. Ist durch die Lage des Hauses genug Sonneneinstrahlung zu erwarten? Ist die Dachfläche ausreichend groß für die Photovoltaik-Anlage?

Was bringt die Zukunft?

In der Zukunft hält Walberg auch andere Konzepte für denkbar. "Häuser werden sich unter Umständen vernetzen." Statt jedes Gebäude einzeln energetisch bis an die Grenzen zu optimieren, erzeugen Häuser auf verschiedenen Arten Energie und versorgen sich gegenseitig. Eine andere ökologisch sinnvolle Zukunftsvariante sei, eine gewisse Anzahl Bäume pro Hausbau pflanzen zu müssen, um klimarelevante Emissionen auszugleichen. Doch unabhängig von allen heutigen und künftigen Standards kann man im Kleinen schon umweltbewusst sein. Walberg: "Wer regional baut und Baustoffe aus der Region für sein Haus bevorzugt, macht etwas Sinnvolles für die Umwelt."



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