Handy lockt junge Leute in Schuldenfalle - 5 Million überschuldet
Auf der anderen Seite ziehen die Telefongesellschaften die Zügel schärfer an. Nach dem Boom der vergangenen Jahre gehen sie nach Meinung der Schufa dazu über, offene Rechnungen mit mehr Nachdruck einzufordern. Dies zeigt sich auch an den ersten Meldungen über säumige Zahler an die Schufa, die für Banken, Handel und Dienstleister Auskünfte über die Kreditwürdigkeit von Kunden erteilt. Von den Banken und Sparkassen ging zwischen 1999 und 2002 die Zahl der Warnhinweise in der Altersgruppe 20 bis 24 Jahre von 99 212 auf 94 997 sogar zurück. Die Erstmeldung eines Negativkriteriums aus der Telekom-Branche stieg dagegen fast auf das Dreifache mit 281 702 (104 470) Fällen.
Mit dem dramatischen Anstieg überschuldeter junger Leute fällt diese Altersgruppe bereits deutlich aus dem Rahmen. Insgesamt sind bei der Schufa 2,2 Millionen Personen mit einer Privatinsolvenz oder einer in den vergangenen drei Jahren abgegebenen Eiddesstattlichen Erklärung über die Vermögenslage erfasst. Der Anteil der 20- bis 24- Jährigen wuchs kontinuierlich von 6,0 Prozent 1999 auf zuletzt 7,8 Prozent 2002.
Die faktische Überschuldung liegt in der Bundesrepublik mit geschätzten fünf Millionen Personen aber deutlich höher. Als Kriterium gilt dabei, dass die monatlichen Einkünfte nicht ausreichen, um die Kosten für Miete, Strom sowie Verpflegung zu decken und Kredite zu bedienen. In der Branche werden dabei unterschiedliche Zahlen zwischen vier bis sechs Millionen Erwachsene genannt.
Ursachen für den Weg in die Überschuldung sind häufig Arbeitslosigkeit, Tod eines Familienangehörigen oder Scheidung. Auffällig ist dabei auch ein starkes Stadt-Land-Gefälle, wobei das Ruhrgebiet und Berlin einen hohen Anteil von Personen mit Zahlungsschwierigkeiten aufweisen. Im Herbst will die Schufa, die von Banken, Sparkassen, Spezialinstituten und dem Handel getragen wird, eine umfassende Studie zur Überschuldung der privaten Haushalte in Deutschland vorlegen.
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