Gute Laune und düstere Prognosen vor Klimakonferenz in Buenos Aires

dpa | 26.11.2004
Bild: Stromleitungen

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Buenos Aires (dpa) - Lateinamerika ist eigentlich ein klimapolitisches Naturtalent. Die Regenwälder des Amazonasbeckens sind ein gigantischer Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Zugleich werden Industrie, Haushalte und Verkehr Schätzungen zufolge im Jahre 2020 nur 6,5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen ausstossen. Wenn am 6. Dezember die zehnte UN-Klimakonferenz in Buenos Aires beginnt, treffen sich die Umweltdiplomaten aber auf einem Kontinent, den der Klimawandel besonders hart treffen könnte.

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Während einige Weltregionen bei einer Erderwärmung fruchtbarer werden könnten, nimmt die Nahrungsmittelproduktion in Lateinamerika eher ab. Gerade die Ärmsten der Armen können sich oft nur über Wasser halten, indem sie ihre eigene Parzelle beackern. Die Zahl der an Unter- und Mangelernährung leidenden Lateinamerikaner könnte sich deshalb bis 2050 um 50 Millionen vergrössern.

Für den argentinischen Diplomaten Raul Estrada-Oyuela ist die zehnte UN-Klimakonferenz ein Heimspiel. Dank seines Verhandlungsgeschicks kam 1997 das Kyoto Protokoll überhaupt erst zu Stande. Er kennt die ungünstigen Klimaszenarien für sein Land nur zu gut: "Die Landwirtschaft wird sich anpassen müssen, wir müssen Mais- und Weizensorten züchten, die mehr Feuchtigkeit oder mehr Hitze ertragen. Wenn mehr Wasser über der Antarktis verdunstet, wird es in Patagonien mehr regnen und zu grossflächigen Erosionen kommen."

Für das Nachbarland Brasilien könnte der Klimawandel noch längere Dürren im Nordosten des Landes bedeuten. Höhere Temperaturen würden zudem den Energieverbrauch für Klimaanlagen und Kühlvorrichtungen in die Höhe treiben. Zugleich wäre die Stromversorgung gefährdet, da Brasilien stark von Wasserkraftwerken abhängt, deren Leistung durch geringeren Niederschlag sinkt.

Der Klimawandel würde auch die Trinkwasserversorgung gefährden: Die zahlreichen Gletscher in den Anden und damit wichtige Trinkwasservorräte schmelzen ab. Höhere Meeresspiegel könnten Salzwasser in die Süsswasser-Flussarme drücken und diese Trinkwasservorräte versalzen. Auch Tropenkrankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber und Cholera würden sich weiter gen Süden ausbreiten.

In vielen Regionen Lateinamerikas bedarf es indes keiner düsteren Zukunftsprognosen. Die Gegenwart ist schon schlimm genug. Abholzung und Überweidung machen die Böden weniger aufnahmefähig für Wasser und Überschwemmungen häufen sich. Den Ärmsten bleiben für ihre Hütten oft nur schroffe Berghänge oder flussnahe Gebiete, wo sie Opfer von Erdrutschen und Überschwemmungen werden.

Besonders deutlich wurde dies im September, als der Tropensturm "Jeanne" mit heftigen Regenfällen über das bettelarme Haiti hinwegfegte. Die Wassermassen rauschten die vor allem für Brennholz kahlgeschlagenen Hänge hinunter und setzten blitzschnell ganze Städte unter Wasser. Mindestens 3 000 Menschen starben und 200.000 Menschen wurden obdachlos. Als "Jeanne" nur Tage später zum Hurrikan angewachsen den US-Bundesstaat Florida heimsuchte, gab es nur 33 Tote zu beklagen.

"Die Fähigkeiten, sich zu schützen, sind in etwa so ungleich verteilt wie der Ausstoss von Treibhausgasen", sagt Estrada ironisch. Darum hat er dafür gesorgt, dass sich die Diplomaten in Buenos Aires erstmals vorrangig mit der Frage beschäftigen, wie sich auch Entwicklungsländer an die neuen Klimabedingungen anpassen können ~ etwa durch Deichbau oder neue Anbaumethoden.

"Nichts hat sich geändert, aber die Stimmung ist viel besser", beschreibt Estrada die Lage nach der Ratifizierung des Kyoto- Protokolls durch Russland. So mancher Klimadiplomat mag sich bangend fragen, zu welchen Zugeständnissen ihn der gewiefte und vor allem gut gelaunte Diplomat dieses Mal überreden könnte.



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