Greenpeace-Umfrage: zwei Drittel der Türken sind gegen Atomkraft
Istanbul - Laut einer neuen Umfrage sind zwei von drei Türken gegen den Einstieg ihres Landes in die Atomkraft. In der Befragung im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace sprachen sich 64 Prozent der Türken gegen den Bau von Reaktoren in ihrem Land aus. Das meldete der türkische Nachrichtensender NTV am Freitag. Die Regierung der Türkei will in den kommenden Jahren mit dem Bau der ersten beiden Atomkraftwerke beginnen und hat ihre Entschlossenheit dazu auch trotz des jüngsten Atomunfalls in Japan bekräftigt.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat laut der Umfrage des renommierten Demoskopie-Institutes A&G die Türken bisher nicht davon überzeugen können, dass die Risiken der Atomkraft beherrschbar seien. Erdogan hatte unter anderem gesagt, auch die in vielen türkischen Haushalten beim Kochen verwendeten Gasbehälter seien nicht ohne Risiko, blieben aber dennoch weit verbreitet. In der Umfrage widersprachen knapp 55 Prozent der Teilnehmer dieser Argumentation. Fast 90 Prozent der Türken wollen demnach nicht in der Nähe eines Atomkraftwerkes wohnen.
Die Oppositionspartei CHP hat für den Fall eines Sieges bei den türkischen Parlamentswahlen am 12. Juni eine Volksabstimmung über die Atomkraft versprochen. Die Erdogan-Regierung, die den geplanten Atom-Einstieg mit dem steigenden Energiebedarf des Landes und der Abhängigkeit von Gaseinfuhren aus Russland und dem Iran begründet, lehnt bisher ein Referendum in der Atomfrage ab.
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