Google, Comcast und Microsoft buhlen um AOL
Der Medienriese News Corp. hatte ebenfalls Interesse an AOL gezeigt, wie die "New York Times" berichtete. Firmenpatriarch Rupert Murdoch habe jedoch aufgegeben, nachdem klar wurde, dass Time Warner keine Kontrollbeteiligung an AOL verkaufen wollte. Die Firmen nahmen dazu keine Stellung. Die grösste Internetfirma Yahoo! wäre ebenfalls tangiert, falls der expandierende und in Geld schwimmende Konkurrent Google bei AOL, dem Betreiber des zweitgrössten Internet-Portals, zum Zuge kommen sollte.
Die Motive der einzelnen Unternehmen sind unterschiedlich. Time- Warner-Chef Richard Parsons steht unter starkem Druck des Milliardärs und Grossaktionärs Carl Icahn. Dieser forderte "mutige" Schritte zur Durchsetzung eines höheren Aktienkurses. Die Time-Warner-Aktien notieren momentan mit 17,49 Dollar gegenüber 19,90 Dollar Mitte Dezember 2004. Ein Teilverkauf der Internet-Sparte und ein anschliessender Börsengang einer mit Partnern gestärkten AOL könnte den Time-Warner-Kurs nach Ansicht von Marktkennern nach oben bringen.
Google will sich durch eine Beteiligung AOL als wichtigen Suchmaschinen-Kunden erhalten. Ebenso wichtig ist es, Filme, Videos und andere Unterhaltungsinhalte zu sichern. Diese hatte AOL mit kräftiger Hilfe der Mutter Time Warner in einer erfolgreichen Comeback-Strategie in ihre Portale eingebracht. An dem lukrativen, aber schrumpfenden Internet-Einwähldienst von AOL sind Google und Comcast dagegen nicht interessiert.
Microsoft würde seinerseits liebend gern AOL dem immer bedrohlicher werdenden Suchmaschinen-Branchenführer Google abnehmen und AOL stattdessen die eigene Suchmaschinen-Technologie anbieten. Microsoft könnte dafür möglicherweise sein Internet-Portal MSN in ein Joint-Venture mit AOL einbringen.
Comcast ist grösste US-Kabelfernsehfirma vor Time Warner. Comcast könnte sich durch einen AOL-Einstieg besser gegen die immer aggressiver auftretenden US-Telefongiganten wie Verizon und SBC zur Wehr setzen. Diese verbünden sich mit Internet-, Satelliten-TV- und Unterhaltungsunternehmen und bieten kombinierte Dienste an: Telefon, DSL-Internet, Fernsehen, Internet. Die Kabelfernsehfirmen machen ihrerseits mit Internet-Telefonie und Breitband-Internetverbindungen den Telefonkonzernen Konkurrenz.
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