Goldrausch auf stürmischer See
"Wir haben eine sehr große Nachfrage nach solchen Projekten", sagt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena). "Das kann für die kleinen Firmen sehr, sehr lukrativ werden." So kaufte Vattenfall von der kleinen Gesellschaft für Energie und Oekologie (GEO) erst kürzlich einen großen Claim rund 70 Kilometer vor Sylt, wo Windräder einmal rund 800 Megawatt Strom produzieren sollen. Eon kaufte sich schon vier Windparks in Nord- und Ostsee. Deutschland will bis 2020 rund 20 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Die Windenergie spielt eine zentrale Rolle. Besonders die vom Meer - denn dort bläst der Wind stärker und die Rotoren stören keine Anwohner.
Doch die Pionierarbeit haben nicht die Energieversorger geleistet. Seit 2001 etwa suchen zahlreiche Firmen vor den Küsten nach geeigneten Flächen, auch der nach eigenen Angaben größte deutsche Windpark-Projektierer WPD. Die Arbeit ist knifflig: Zu nah am Ufer darf der Claim nicht sein, weil oft Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Zu weit draußen aber ist das Wasser zu tief, um Windräder für einen guten Preis auf dem Meeresgrund zu verankern. Hat man einen geeigneten Claim ausgespäht, beginnt die Arbeit aber erst richtig. "Da muss man erstmal zwei Jahre den Standort mit dem Schiff befahren", sagt Christian Schnibbe von WPD. Zusammen mit unabhängigen Experten wird dann der Vogelzug analysiert oder gezählt, wie viele der gefährdeten Schweinswale sich auf dem Areal aufhalten.
Inzwischen aber sind Nordsee und Ostsee weitgehend abgesteckt. Laut dena sind bereits Flächen für die Erzeugung von 24.000 Megawatt Strom genehmigt. Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, sind demnach 10.000 Megawatt aus Windenergie auf dem Meer genug. Doch wahrscheinlich wird es nicht so schnell gehen wie gewünscht: Denn derzeit fehlen schlicht die Windräder. "Die Hersteller können zurzeit in China oder den USA riesige Windparks an Land ausrüsten", sagt Matthias Hochstätter vom Bundesverband Windenergie (BWE). Außerdem würden in Deutschland auf dem Land alte Windparks erneuert. Die neuen Riesen-Rotoren bringen weit mehr Leistung als ältere Windräder. "Wo man früher 20 Anlagen brauchte, reichen heute zwei oder drei Windräder", sagt Hochstätter.
Auch deshalb gibt es in Deutschland bisher nur wenige kleine Windparks auf See. Größere Meer-Windanlagen gibt es nur in Skandinavien oder Großbritannien, wo es aber wegen der günstigeren natürlichen Umwelt leichter ist, diese in Küstennähe aufzustellen. Hierzulande wartet die Branche noch auf den Startschuss.
Vor wenigen Monaten aber trat ein Gesetz in Kraft, das den Bau von Windanlagen auf dem Meer bis zum Jahr 2011 finanziell deutlich reizvoller macht. Ein Testfeld, an dem auch Bundesregierung und Energieversorger beteiligt sind, soll bald den Betrieb aufnehmen. Und dann könnte sich eine Dynamik entwickeln. "Wir gehen davon aus, dass die ersten großen Windparks mit 500 Megawatt Leistung etwa 2009 oder 2010 ans Netz gehen", sagt dena-Geschäftsführer Kohler. Für die Firmen, die schon Claims in den deutschen Meeren abgesteckt haben, könnten dann goldene Zeiten anbrechen. "Es ist schon anzunehmen, dass die Flächen dann sehr wertvoll werden", sagt Christian Schnibbe vom Windpark-Projektierer WPD.
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