Gazprom-Chef will sich in Deutschland stärker engagieren
München - Russlands Gasmonopolist Gazprom will nach den geplatzten Verhandlungen über ein Gemeinschaftsunternehmen mit RWE nun deutschen Energieversorgern auf eigene Faust Konkurrenz machen. "Wir sind in der Lage, umfangreiche Investitionen zu tätigen", erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe).
Gazprom wolle sich in Deutschland stärker als bisher engagieren, sagte Miller im Hinblick auf geplante Kooperationen mit Stadtwerken. Wir möchten nicht nur Gas liefern, sondern auch in die Stromproduktion einsteigen. Die Bereitschaft, in Kraftwerke zu investieren, ist bei Gazprom nach wie vor sehr hoch." Staatshilfen brauche sein Konzern dafür nicht. Die von deutschen Industrie geforderten Subventionen für den Bau neuer Kraftwerke lehnt der Konzern ab.
Während Gazprom die Nähe zu Deutschland suche, eskaliere der Streit mit der Europäischen Kommission um die Liberalisierung des Energiemarkts. Brüssel fordert von Rohstofflieferanten leichteren Zugang für Wettbewerber zu ihren Gasnetzen. Die EU-Kommission will deshalb den Pipeline-Betrieb von der Gasförderung trennen.
Brüssel betrachte die neuen Binnenmarktregeln offenbar als Druckmittel gegen Exportländer wie Russland, sagte Miller weiter. "Jede Aktion bewirkt eine Reaktion", kündigte der Kreml-nahe Manager an. Manche in Russland fordern, in einem solchen Fall Gegenmaßnahmen zu durchdenken." Gazprom müsse dann rechtliche Schritte prüfen.
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