Gas- und Ölstreik in Norwegen abgewendet
Oslo - Der für Europa zweitwichtigste Erdgas-Förderer Norwegen hat einen Streik der Mitarbeiter der Öl- und Gasindustrie abgewendet. Auf 70 Bohrinseln wollten die Beschäftigten ihre Arbeit niederlegen. Doch die Regierung zog die Notbremse.
Norwegens Regierung hat in letzter Minute die bevorstehende Blockade der Gas- und Ölförderung durch einen Arbeitskampf gestoppt. Wie in Oslo in der Nacht zum Dienstag mitgeteilt wurde, setzte Arbeitsministerin Hanne Bjurstrøm unmittelbar vor Inkrafttreten einer Flächenaussperrung eine Zwangsschlichtung in Gang. Damit wurden sowohl die geplante Aussperrung wie auch ein vor 16 Tagen begonnener Streik ausgesetzt.
Norwegen ist nach Russland der zweitwichtigste Lieferant von Erdgas nach Europa und deckt 27 Prozent des deutschen Bedarfs. Die Ölpreise stiegen am Montag wegen des als wahrscheinlich geltenden Förderstopps auf allen 70 Plattformen in der norwegischen Nordsee leicht.
"Große gesellschaftliche Konsequenzen"
Bjurstrøm begründete den staatlichen Eingriff in den Tarifstreit mit dessen "großen gesellschaftlichen Konsequenzen". Sie sagte nach einem Gespräch mit Gewerkschaften und Arbeitgebern kurz vor Mitternacht: "Alles in allem wäre es unverantwortlich gewesen, den Konflikt weiterlaufen zu lassen." Die Gewerkschaften wollten durch ihren Streik mit 700 Beteiligten vor allem bessere Vorruhestandsregelungen durchsetzen. Der Arbeitgeberverband OLF wollte ab Dienstag alle 6500 Beschäftigten auf den norwegischen Bohrinseln aussperren.
Analysten zufolge hätte der Produktionsstopp in Norwegen zu einem Kursanstieg der Nordsee-Sorte Brent führen können. Bereits am Montag war der Kurs an der Londoner Börse leicht um 81 Cent auf 99,00 Dollar gestiegen. Norwegen ist einer der größten Produzenten von Öl und Gas aus Förderanlagen auf hoher See. Insgesamt ist das skandinavische Land der achtgrößte Ölproduzent der Welt.
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