Gas als günstige Alternative zu erneuerbaren Energien?
Buenos Aires - Gaskonzerne auf der ganzen Welt werben für Erdgas als preisgünstige Alternative zu erneuerbaren Energien. Damit ließen sich die Klimaziele von EU und UN zu einem Bruchteil der Kosten erreichen, hieß es am Dienstag auf der Weltgaskonferenz in Buenos Aires. Insbesondere die russische Gazprom und die Essener E.ON Ruhrgas fordern entsprechende Unterstützung der Politik. Für den Weltmarkt rechnet die Branche wieder mit steigenden Preisen, aber erst vom übernächsten Jahr an. Rekordpreise wie die vom vergangenen Jahr seien auch mittelfristig nicht in Sicht.
Nach Ansicht von Gazprom-Chef Alexej Miller sollten die Europäer lieber auf Gaskraftwerke statt auf erneuerbare Energien setzen. "Wenn etwa die Hälfte der derzeitigen Kohlekraftwerke durch moderne Gaskraftwerke ersetzt wird, wird der CO2-Ausstoß genauso reduziert wie bei einer Umrüstung auf Windkraft. Und das bei nur einem Drittel der Kosten", sagte der Russe. Erdgas sei zudem die zuverlässigste Energiequelle und dabei Solar- und Windenergie, Wasser- und Kernkraft überlegen. "Aus erneuerbaren Energien kann niemand eine dauerhafte Energieversorgung auf hohem Niveau garantieren."
E.ON Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg forderte von der Politik, vor allem Erdgas im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. "Erdgas kann einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der klimapolitischen Ziele leisten - vor allem kann es dies besonders kostengünstig tun", sagte er auf der Weltgaskonferenz. Erdgas sei der sauberste der fossilen Energieträger. "Kein anderer hat eine vergleichbar gute Klima- und Umweltbilanz. Die internationale Politik muss die Schlüsselrolle von Erdgas für Energieeffizienz und Klimaschutz anerkennen und ihr konkret Rechnung tragen."
Nach Millers Auffassung wird auf ein 20. als "Öljahrhundert" ein 21. als "Gasjahrhundert" folgen. Der Gaspreis an den Energiebörsen der Welt wird nach Einschätzung des Branchenverbandes Internationale Gasunion aber nach dem immensen Preisverfall der vergangenen zwölf Monate erst im übernächsten Jahr wieder steigen. "Für 2010 sehen wir noch in etwa den derzeitigen Preis, von 2011 bis 2014 oder 2015 wird er dann stetig steigen", sagte Neil Thomas vom britischen Marktbeobachter Wood Mackenzie. "Spätestens im Jahr 2015 werden wir einen stabilen, hohen Preis haben. Vom Rekord des Jahres 2008 wird er aber deutlich entfernt sein."
Nach Ansicht von Experten wird die Gasproduktion in Europa in den nächsten Jahren dramatisch einbrechen. Der deutsche Anteil werde kaum noch eine Rolle spielen. "Auch wenn die Förderung grundsätzlich schwieriger und teurer wird, kann Gas andernorts einfacher geholt werden als in der Nordsee", sagte Jaap Hoogakker vom niederländischen Förderer Gasterra. "Die europäische Förderung, Russland ausgenommen, wird in den nächsten 20 Jahren von 320 auf 130 Milliarden Kubikmeter einbrechen." Den Verbrauch zu prognostizieren sei schwierig: "In Europa spielt der Klimaschutz eine große Rolle, dass könnte für und gegen Erdgas sprechen. Es ist zwar ein fossiler Brennstoff, verbrennt aber sauberer als Öl. Hinzu kommt die Ungewissheit zur Zukunft der Atomkraft. Die Wahl in Deutschland vor gut einer Woche hat die Spekulationen nicht beendet."
In allen anderen sieben Förderregionen der Erde werde der Ausstoß von Erdgas steigen. Weltweit rechnen die Experten für 2030 mit einer Fördermenge von gut 4400 Milliarden Kubikmetern nach 2953 Milliarden im Vergleichsjahr 2006. Das stärkste Wachstum werde es immer noch in Asien geben. "Unser Ausblick auf das Jahr 2015 ist nicht mehr so optimistisch wie der vor der Krise. Klar ist aber nach wie vor, dass allein die Hälfte des weltweiten Wachstums beim Gasabsatz auf Indien und China entfallen wird", sagte Thomas.
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