Französische Atomaufsicht wegen Mängeln in EPR schwer in der Kritik
Paris - Nach aufgedeckten Sicherheitsmängeln beim Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) haben Atomkraftgegner die französischen Behörden heftig kritisiert. Kompetenz und Zuverlässigkeit der Atomaufsicht ASN seien "zutiefst in Frage gestellt", teilte das französiche Atomausstiegsbündnis Sortir du nucléaire am Dienstag in Paris mit. Die Behörde sei entweder "unfähig" oder habe "bewusst entschieden, sich zu den Fehlern des EPR in Schweigen zu hüllen, um so nicht die Interessen der französischen Atomindustrie zu gefährden". Im letzteren Fall habe die ASN die Gefahr "einer oder mehrerer Nuklearkatastrophen in Kauf genommen".
Die ASN sowie die britische und finnische Atomaufsicht hatten am Montag in einer gemeinsamen Erklärung auf schwere Sicherheitsmängel bei den durch den französischen Atomkonzern Areva errichteten Reaktoren verwiesen. Demnach sind das normale Kontrollsystem und das für Notfälle eingerichtete Sicherheitssystem anders als vorgesehen nicht strikt voneinander getrennt. Damit bestehe die Gefahr, dass beide Systeme gleichzeitig ausfallen könnten. Bei einem Unfall könnte damit die Kontrolle über den Reaktor verloren gehen. Areva müsse deshalb "die ursprüngliche Konzeption des EPR verbessern".
Laut Sortir du nucléaire wurde der Fehler durch die britische Atomaufsicht entdeckt, nachdem Areva und der französische Energiekonzern EDF wegen des geplanten Baus von EPR-Kraftwerken in Großbritannien eine Prüfung bei der Behörde beantragt hätten. Während der britischen Behörde die "schweren Mängel" anhand der Kraftwerkspläne sofort aufgefallen seien, habe die französische Atomsicherheitsbehörde ASN den Bau der EPR-Kraftwerke in Finnland und Frankreich vor Jahren ohne Einwände genehmigt. Damit sei die Atomaufsicht in Frankreich an sich in Frage gestellt. Eine unabhängige Untersuchungskommission müsse deshalb die Überwachung der Atomindustrie durch die ASN eingehend untersuchen.
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