Frankreich lädt zu riesiger Atomstrom-Tagung
Paris - Atomstromweltmeister Frankreich veranstaltet kommende Woche eine internationale Konferenz zum Thema Kernkraftnutzung. Zu dieser Tagung am Montag und Dienstag werden Vertreter aus gut sechzig Staaten anreisen. In den vergangenen Jahren hätten etwa sechzig Länder in aller Welt ein Interesse an Atomkraftwerken gezeigt beziehungsweise sich wieder der Kernkraft zugewandt. Das sagte ein französischer Regierungsbeamter am Freitag in Paris. Frankreich wolle mit der Konferenz auf ihr Interesse eingehen undt erachte es als notwendig, die Staaten "in verantwortungsvoller Weise zu begleiten". Nach Angaben des Weltnuklearverbandes (WNA) dürften bis 2030 weltweit mehr als 450 Atomreaktoren gebaut werden. Das entspricht einem Markt von hunderten Milliarden Dollar.
Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy will die Tagung eröffnen; er lud auch ehemals geächtete Länder wie Libyen und Syrien ein. Zu den Ländern, die gerade erst mit der Kernkraftnutzung anfangen, gehört auch Jordanien. Das Königreich habe Uranvorkommen, aber kein Erdöl und kein Gas, erklärte ein Fachmann in Paris. Weil es mit der Atomkraft bei Null anfange, brauche es eine Gesetzgebung, eine Aufsichtsbehörde, ein Ausbildungsprogramm für Ingenieure und einen Finanzierungsplan, außerdem müssten Standorte für künftige Reaktoren ausgewählt werden. Die Konferenz am Sitz der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) solle aber "keine Handelsmesse" werden, beteuerte ein weiterer französischer Regierungsmitarbeiter.
Präsident Sarkozy nimmt zu Auslandsreisen oft die Chefin des französischen Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, mit, um den neuen Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) zu verkaufen. Areva entwickelte den Reaktor zusammen mit dem Münchener Siemens-Konzern. Die beiden ersten EPR werden derzeit in Finnland und Nordfrankreich gebaut. Frankreich bezieht rund vier Fünftel seines Stroms aus Atomkraftwerken; landesweit betreibt es derzeit 58 Reaktoren.
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