Forscher wollen Öko-Strom aus der Kraft der Osmose gewinnen
Vor vier Jahren hatte das grösste norwegische Energieunternehmen "Statkraft" beim GKSS angefragt, ob man sich ein Forschungsprojekt zu der Energiegewinnung vorstellen könnte. Zwar kannte man in Geesthacht die Idee, die in den 60er Jahren zuerst ein Israeli hatte, aber man hielt eine Realisierung nach wie vor für zu exotisch. "Schliesslich war es trotz des Wissens um diese Energiequelle nie gelungen, sie anzuzapfen", berichtet Peinemann. Gemeinsam wurde bei der Europäischen Union (EU) ein Forschungsprojekt beantragt und dieses in Brüssel auch genehmigt. 2,5 Millionen Euro hat allein die EU in den vergangenen drei Jahren in die Entwicklung investiert.
Die Membran aus Zellulose-Acetat auf einem Polyestervlies ermöglicht es, das Salz des Wassers aufzuhalten, während Wasser durchfliesst. An Flussmündungen, oder wie am Versuchsstandort im Sunndalsfjord in Norwegen, wo Süsswasser aus dem Landesinneren ins Meer fliesst, lässt sich so der Prozess der Osmose nutzen. "Dabei entsteht ein Druck von 25 bar. Das ergibt eine Wassersäule von 250 Metern, die wir nutzen", berichtete Peinemann. Die gewinnbare Strommenge hängt von der Fläche der Membranen ab. 25 Megawatt (entspricht fünf Windturbinen der neuesten Generation) erfordern etwa 100 000 Quadratmeter. "Das klingt zunächst erschreckend, ist es aber nicht. Man kann die Membran in Spiralen aufwickeln, so dass das Platz spart", erklärte Peinemann.
"Theoretisch ist so ein Kraftwerk sogar an der Mündung der Elbe in die Nordsee möglich", sagte der Professor. Das Interesse deutscher Unternehmen an der neuen Technik sei aber erstaunlich gering, berichtete der Forscher. Für einen wirtschaftlichen Betrieb benötigt man pro Quadratmeter Membranfläche eine Leistung von fünf Watt. Die aktuellen Werte liegen bei knapp der Hälfte. "Ich denke, in fünf bis zehn Jahren kann diese Form der Stromerzeugung marktreif sein", sagte Peinemann.
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