Experte: Gaspreisanstieg um 40 Prozent "nicht nachvollziehbar"

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Bild: palniki gazowe


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Essen (dpa) - Für den Essener Energieexperten Christoph Weber sind die jüngsten Aussagen über eine bevorstehende Erhöhung der Gaspreise um bis zu 40 Prozent noch in diesem Herbst "nicht nachvollziehbar". Eher seien 20 Prozent die Obergrenze, sagte der Professor von der Universität Duisburg-Essen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Hintergrund des bevorstehenden Anstiegs sei die Bindung des Gaspreises an den in den vergangenen Monaten drastisch gestiegenen Ölpreis. Mittelfristig seien etwa durch einen Ausbau der Förderkapazitäten oder durch einen zurückgehenden Verbrauch jedoch auch wieder sinkende Energiepreise möglich.

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Es gebe keine Pflicht zum Festhalten an dieser in den 60er Jahren als Branchenvereinbarung eingeführten Preisformel, sagte Weber. Eine Aussicht auf kurzfristig sinkende Preise bei einer Abschaffung der Ölpreisbindung sieht der Experte allerdings auch nicht. "Es gibt Vorteile bei einer Abschaffung der Ölpreisbindung, an den Preisen wird sich jedoch nichts ändern", sagte Weber. Das zeige sich in Ländern wie den USA und Großbritannien, in denen der Gaspreis nicht an den Ölpreis gebunden sei.

Vorteil einer Abschaffung der starren Preisformel könne dagegen eine schnelle Reaktion auf Nachfrageschwankungen etwa bei milden Wintern sein. Profitieren könne davon etwa die Energiewirtschaft, die den Einsatz von Erdgas in Kraftwerken bei sinkenden Preisen erhöhen könne.

Gegen eine Abschaffung der Ölpreisbindung sprächen jedoch auch die langfristigen Lieferverträge, die etwa die größte deutsche Ferngasgesellschaft E.ON Ruhrgas mit dem russischen Energiemonopolisten Gazprom abgeschlossen habe. Die Marktmacht liege deutlich auf der russischen Seite. "Gazprom hat dabei wohl eher eine marktbeherrschende Stellung als E.ON Ruhrgas", sagte Weber.

Während in Deutschland derartig langfristige Verträge mittlerweile durch das Kartellamt untersagt seien, sei kaum vorstellbar, dass deutsches Recht auch in diesen internationalen Geschäftsbeziehungen durchsetzbar sei. Mit einem Ausbau zusätzlicher Lieferquellen für flüssiges Erdgas (LNG) etwa in Nordafrika könnten die deutschen Unternehmen allenfalls versuchen, einen weiteren Machtzuwachs des russischen Monopolisten zu begrenzen.

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat Meldungen über einen Anstieg der Gaspreise in diesem Herbst um bis zu 40 Prozent als "spekulativ und unrealistisch" bezeichnet. Wie sich die Preise konkret entwickelten, hänge wesentlich von der Ölpreis-Entwicklung in den kommenden Monaten und von der Struktur der einzelnen Versorger in der jeweiligen Region ab, teilte der BDEW am Montag in Berlin mit.



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