Experte: Energiepreisschock wirkt als Konjunkturbremse

dpa
Bild: palniki gazowe



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Hamburg (dpa) - Der dramatische Anstieg der Energiepreise schürt die Angst vor einem kräftigen Konjunkturdämpfer und weiter steigender Inflation. In diesem Jahr ist Experten zufolge allein die Energie für einen Prozentpunkt der Teuerung verantwortlich. Die Commerzbank geht davon aus, dass die Energiepreise das Wachstum in Deutschland in diesem Jahr um 0,5 Prozent drücken werden. Wegen der drohenden Gaspreisexplosion wird unterdessen über ein Ende der traditionellen Koppelung der Gas- und Ölpreise diskutiert. Angesichts einer befürchteten Lücke in der Energieversorgung haben CDU und CSU erneut für eine Rücknahme des Atomausstieges plädiert. Deutschland sei das einzige Land, das sichere Atommeiler vom Netz nehmen wolle, sagte die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich in der Debatte über die hohen Energiekosten für Sozialtarife aus. Dabei könne es einen niedrigen, zum Teil kostenlosen Tarif bis zu einem bestimmten Energieverbrauch geben. "Wir haben ja andere Beispiele in Europa, wo das der Fall ist." Langfristig müsse man aber "weg von der Droge Öl und der Droge Gas", sagte Gabriel. Verbraucherschützer halten dagegen mehr staatliche Förderung bei der Gebäudesanierung für sinnvoller als Sozialtarife. Angeheizt hatte die Diskussion Umwelt- Staatssekretär Michael Müller (SPD), der einen weiteren Anstieg der Gaspreise um bis zu 40 Prozent im Herbst für möglich hält.

Aus Sicht des Mittelstandes stellen die hohen Preise für Öl und Gas inzwischen das größte Risiko für die Konjunktur in Deutschland dar. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) gaben 38 Prozent der 2100 befragten Firmen an, dass die hohen Preise für Öl, Gas und andere Rohstoffe ihre Zukunftserwartungen am stärksten dämpfen.

In Spanien, Portugal und Frankreich protestierten zehntausende Lastwagenfahrer gegen hohe Mineralölpreise. Mit einem unbefristeten Ausstand wollen sie die Regierungen zu einer Senkung der Treibstoffsteuern und zur Gewährung von Hilfen zwingen. Nachdem der Ölpreis am Freitag sprunghaft auf einen neuen Rekordstand von 139,12 Dollar (WTI) gestiegen war, sank er am Montag wieder leicht.

Der Präsident des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, bezeichnete die vor Jahrzehnten eingeführte Koppelung vom Gaspreis an den Ölpreis als "nicht mehr zeitgemäß". Hierbei handele es sich "um eine kartellrechtswidrige Preisabsprache, die im Grunde gar nicht stattfinden darf, wenn man es streng nimmt", sagte er dem Sender N24. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW spricht sich für ein Ende der Bindung aus. Da es aber langfristige Verträge gebe, könne dies nur durch mehr Wettbewerb gelingen, sagte DIW-Expertin Claudia Kemfert im Deutschlandfunk. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nannte die Preisbindung ein "marktgerechtes Instrument". Zudem sei sie keine Einbahnstraße, sondern schütze auch vor überraschenden Preissteigerungen.

Das Ende der Kopplung könnte sogar zu steigenden Preisen führen, mahnte Rohstoffexperte Klaus Matthies vom Hamburgischen WeltWirtschafts Institut HWWI. Ohne Preisbindung hätten Anbieter einen Hebel in der Hand, Preise für Erdgas selbst vorzugeben - auch willkürlich. Kurzfristig könnten die Energiepreise "angesichts der Spekulationen und steigender Ölnachfrage an den Rohstoffmärkten" weiter steigen. "Der Weg, den Verbraucher derzeit nur bestreiten können, ist ein effizienter Energieverbrauch", sagte Matthies.

Der BDEW nannte den von Müller befürchteten Anstieg der Gaspreise im Herbst um 40 Prozent "spekulativ und unrealistisch". Wie sich die Preise konkret entwickelten, hänge von der Entwicklung des Ölpreises und weiteren Faktoren ab. Bei weltweit steigenden Weltmarktpreisen könne sich Deutschland allerdings nicht von dieser Entwicklung abkoppeln. Der Essener Energieexperte Christoph Weber rechnete damit, dass die Gaspreise maximal 20 Prozent steigen werden. Mittelfristig könnten die Energiepreise etwa mit einem Ausbau der Förderkapazitäten oder durch zurückgehenden Verbrauch sogar wieder sinken.



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