EU und Spanien im Streit um Endesa-Übernahme auf Konfrontationskurs
Brüssel sieht darin eine Quasi-Blockade und machte den Spaniern in ziemlich harschen Worten klar, dass die Auflagen nach Ansicht der EU- Kommission vermutlich einen Verstoß gegen das EU-Recht auf freien Kapitalverkehr und die Niederlassungsfreiheit bedeuten. Spanien nahm nun den Fehdehandschuh auf und ging auf Konfrontationskurs.
Die spanische Regierung warf der Brüsseler EU-Behörde nach Informationen von "El País" vor, ihre Kompetenzen zu überschreiten und mit ihrer Argumentation "völlig falsch" zu liegen. Dieser Ton aus Madrid überraschte, denn Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero steht für eine ausgesprochen proeuropäische Politik - im Gegensatz zu seinem Vorgänger José María Aznar, der sich mehr an den USA orientiert hatte.
Mit Verwunderung wurde in Madrid registriert, dass die - zuweilen behäbig wirkende - EU-Kommission in dieser Angelegenheit eine ungewohnte Eile an den Tag legt. Die Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ließ nach spanischen Informationen ihr Warnschreiben an die Spanier kurzerhand von ihrem zyprischen Kollegen Markos Kyprianou unterzeichnen, weil die Niederländerin gerade abwesend war. "Das scheint denen Recht zu geben, die argwöhnen, dass Kroes sich schon vor langer Zeit dazu entschlossen hat, die Haltung von E.ON zu unterstützen", schreibt "El País".
Bei den Auflagen für E.ON beruft sich Spanien auf das Prinzip der Sicherung der Energieversorgung. Diese zu garantieren, falle in die Zuständigkeit der einzelnen Mitgliederstaaten und nicht der EU. Konkret geht es für die Spanier dabei vor allem um drei Punkte. Sie fürchten erstens um die Sicherheitsstandards ihrer Kernkraftwerke. Diese seien strenger als gesetzlich vorgeschrieben. Zweitens wollen sie sicherstellen, dass die Energiewirtschaft auch in Zukunft Kohle aus heimischer Förderung und nicht nur aus dem Ausland kauft. Drittens hegt Madrid den Verdacht, dass ein ausländischer Konzern wie E.ON die - teure und komplizierte - Stromversorgung abgelegener Regionen wie der Balearen, der Kanarischen Inseln sowie der Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla vernachlässigen könnte.
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