EU erzwingt Preissenkungen im Mobilfunk - EU-Regulierer befürchtet

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Hannover (dpa) - Die EU geht den Mobilfunkkonzernen an den Kragen: Schon zur Urlaubssaison sollen Handy-Telefonate im Ausland deutlich billiger werden. Die Telekom-Minister der 27 Mitgliedstaaten erzielten nach monatelanger Diskussion am Donnerstag bei einem informellen Treffen auf der Computermesse CeBIT eine grundsätzliche Einigung. Betrieben wurde die geplante Regulierung von EU- Medienkommissarin Viviane Reding, die den Unternehmen einen Maximalpreis von 44 Cent pro Minute vorschreiben will. Bei den Unternehmen stieß die Einigung auf Kritik, sie fürchten nun die Einrichtung eines EU-weiten Aufseher.

Bislang müssen die Verbraucher im Ausland für Telefonate mit der Heimat tief in die Tasche greifen. Minutenpreise von bis zu drei Euro sind keine Seltenheit. Bei den Mobilfunk-Anbietern in den südlichen Urlaubsländern - der spanischen Telefónica und Telecom Italia - sind die so genannten Roaming-Gebühren eine wichtige Einnahmequelle. Die Tarife sind zum Teil so hoch, dass etwa die Telekom die Entgelte nicht an ihre Kunden weiter geben will. Zu unattraktiv sei sonst der Griff zum Handy im Urlaub. Die Telekom verzichtet so nach eigenen Angaben jährlich auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Experten begrüßen die Regulierung. "Die teilweise riesigen Kostenunterschiede innerhalb Europas sind nicht nachvollziehbar", sagt Matthias Hamel von der Beratungsgesellschaft Solon. Auch nach den geplanten Preissenkungen kämen die Unternehmen auf ordentliche Margen bei Auslandstelefonaten. Die Roaminggebühren summieren sich in Europa jährlich auf rund fünf Milliarden Euro, was knapp sechs Prozent der gesamten Mobilfunkumsätze ausmacht.

Auf Druck der EU hatten die Unternehmen ihre Tarife für Auslandsgespräche in den vergangenen zwei Jahren bereits deutlich gesenkt, um eine Regulierung zu verhindern. Die Telekom wirbt mit einem Minutenpreis von 59 Cent - nur 15 Cent mehr als die EU- Kommission veranschlagt. "Die Tendenz zeigt ganz klar, dass die Preise für Telefonate im Ausland sinken", sagt ein T-Mobile-Sprecher. Kommissarin Reding konnten die Handykonzerne nicht überzeugen: "Die nun getroffene Regelung ist gut für alle Verbraucher". Offen bleibt allerdings die Höhe des Maximalpreises. Auf dem Ministertreffen in Hannover lagen Tarife von bis zu 50 Cent pro Minute auf dem Tisch.

Klarheit soll nun in den kommenden Wochen geschaffen werden. Die geplante Regulierung muss noch vom Europa-Parlament und vom Rat der zuständigen Minister abgesegnet werden. Probleme erwartet Reding nicht mehr: "Wir haben mit der Einigung politisch einen klaren roten Faden." Bis zum Juni sollen nun die nötigen Beschlüsse gefällt werden. "Die günstigen Tarife werden dann zum Sommerurlaub in Kraft sein."

Die Handykonzerne fürchten, dass die aktuellen Eingriffe bei den Roaming-Gebühren nur der erste Schritt sind. "Reding will einen Euro- Regulierer und das wäre schlecht für die Entwicklung der Branche", sagt ein Mobilfunkmanager. Die Handybranche sei der Wachstumstreiber in den vergangenen Jahren gewesen - die weitere Entwicklung wäre gefährdet. Bislang gibt die Europäische Kommission die Rahmenbedingungen für die Regulierung in den einzelnen Ländern vor.



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