Essent-Verkauf an RWE für 9,3 Milliarden Euro genehmigt
Amsterdam - Einer Übernahme des führenden niederländischen Energieversorgers Essent durch den Essener Energieversorger RWE steht nichts mehr im Wege. Die letzte Hürde ist am Freitag gefallen. Das Parlament der Provinz Nordbrabant, das die Übernahme Ende April noch knapp abgewiesen hatte, votierte nun mit einer klaren Mehrheit von 33 zu 21 Stimmen dafür. Damit kann die Provinzregierung den Verkauf ihrer Anteile an Essent im Umfang von 30,8 Prozent wie gewünscht über die Bühne bringen. Für die Übernahme von insgesamt 80 Prozent des größten niederländischen Strom- und Gasunternehmens will RWE insgesamt 9,3 Milliarden Euro zahlen.
Vor der Zustimmung durch Nordbrabant hatten bereits fast alle an Essent beteiligten Provinzen und Gemeinden grünes Licht gegeben. Am 26. April hatte das Nordbrabanter Parlament das Milliardengeschäft jedoch knapp mit 28 zu 26 Stimmen abgelehnt und damit auf Eis gelegt. Dabei war eine angeblich ungenügende Umweltbilanz von RWE geltend gemacht worden. Beide Unternehmen legten daraufhin kurz vor der Debatte am Freitag eine Vereinbarung über Milliarden-Investitionen in die Erzeugung von grünem Strom vor.
Der Essener Energieriese will den niederländischen Konzern mit Ausnahme des Verteilernetzes und des Entsorgungsgeschäfts übernehmen. Dadurch könnte RWE rund 5,3 Millionen Kunden dazugewinnen - davon rund eine Million in Deutschland, wo Essent ebenso tätig ist wie in den Niederlanden und Belgien. Das Geschäft soll RWE zudem einen Platz in der internationalen Top-Liga der Energiekonzerne verschaffen.
Die Auseinandersetzungen um den Verkauf von Essent hatten sich zuletzt dramatisch zugespitzt. Wirtschaftsministerin Maria van der Hoeven rief am Morgen die Anteilseigner auf, vorerst "keine definitiven Schritte zum Verkauf von Essent zu unternehmen". Vor einem endgültigen Verkauf an RWE müsse noch geklärt werden, ob die gegen eine Monopolbildung gerichtete Herauslösung des Energie-Verteilernetzes aus dem Geschäft hinreichend gewährleistet sei, erklärte die Ministerin.
Dazu hatte Essent allerdings bereits einen Plan vorgelegt, der einen separaten Netzwerkbetreiber vorsieht. Am Donnerstag hatte sich die Arbeitgeberorganisation VNO-NCW in einem Schreiben an die Regierung in Den Haag gegen den Essent-Verkauf ausgesprochen. RWE äußerte sich dazu verwundert, erklärte aber weiter zuversichtlich zu sein, dass die Übernahme bis zum Herbst gelinge.
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