Eon verkündet kurz vor Aufspaltung einen Rekordverlust

dpa-AFX | 09.03.2016
Bild: Stromleitung ©lekcets/fotolia.com

Essen - Aufgrund von Abschreibungen in Milliardenhöhe hat der angeschlagene Energieriese Eon tiefrote Zahlen präsentiert. Durch eine Aufspaltung soll es besser werden. Im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von fast sieben Milliarden Euro, wie es am Mittwoch in Essen mitteilte.


Hauptgrund waren Wertberichtigungen von insgesamt 8,8 Milliarden Euro auf die konventionellen Kraftwerke, deren Gewinnaussichten sich wegen des Preisverfalls im Großhandel dramatisch eingetrübt haben. Den Hauptteil der Abschreibungen hatte Eon bereits im dritten Quartal verbucht. Schon im Jahr 2014 hatte der Konzern ein Minus von 3,2 Milliarden Euro angehäuft. Vorbörslich war die Aktie kaum bewegt.

Bereinigt um Sondereffekte wie die Abschreibungen wäre der Überschuss 2015 stabil bei 1,6 Milliarden Euro geblieben. An seinem Dividendenversprechen hält Eon fest. Demnach sollen die Aktionäre wie im Vorjahr 50 Cent je Anteilsschein bekommen. Konkurrent RWE, der ebenfalls vor der eigenen Aufspaltung steht, hatte seinen Anteilseignern wegen der Krise im konventionellen Kraftwerksgeschäft die Dividende weitgehend gestrichen.

Sinkende Dividenden sind absehbar

Künftig müssen sich aber auch die Anteilseigner von Eon auf weiter sinkende Ausschüttungen einstellen. Der Konzern kündigte an, angesichts der seit Ende 2014 deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen seine langfristigen Prognosen auf den Prüfstand zu stellen. Damals hatte Eon seine eigene Aufspaltung angekündigt. Der Vorstand untersuche die Annahmen über die Entwicklung von Eon und seiner neuen Tochter Uniper kritisch, hieß es nun. Vor allem der Mittelzufluss (Cashflow) werde wegen der angespannten Marktsituation geringer ausfallen. Das müssten künftige Investitionen und Dividenden reflektieren. Die Überlegungen zu den Unternehmenszielen will das Management Ende April vorlegen.

Der Preisverfall hinterließ im vergangenen Jahr auch im operativen Geschäft weitere Spuren. So sackte der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) vor allem wegen des Strompreisverfalls um 10 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro ab, blieb damit aber über den Erwartungen von Analysten. Der Umsatz stieg sogar um knapp drei Prozent auf 116,2 Milliarden Euro.

Weiterhin fallende Preise erwartet

In diesem Jahr dürfte die Talfahrt sich beschleunigen. So erreichten laut Eon die Strompreise in den ersten beiden Monaten neue Tiefststände. Zudem stehe der Gaspreis unter Druck. Hinzu käme der schwache Rubelkurs, der das wichtige Russland-Geschäft des Konzerns belastet. "Unsere Kennzahlen spiegeln wider, dass sich die Branche in einem grundlegenden strukturellen Umbruch befindet, der sich in diesem Jahr ungebremst fortsetzt", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen.

Eon erwartet deshalb 2016 einen Rückgang des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) auf 6 bis 6,5 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss soll bei 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro landen. In dieser Prognose ist noch die Kraftwerkstochter Uniper enthalten. Im Zuge ihrer Abspaltung wird Eon im Laufe des Jahres einen neuen Ausblick für beide Unternehmen vorlegen.

Teyssen geht in die Verteidigung

Seit dem Jahreswechsel greift bei Eon schon die Neuausrichtung. Das gesamte Geschäft mit großen Kraftwerken wird seitdem von Uniper aus Düsseldorf geführt. Das Hauptunternehmen sitzt nun in Essen und konzentriert sich auf erneuerbare Energien und den Vertrieb. Die endgültige Trennung soll bei der Hauptversammlung im Juni beschlossen werden. Anschließend wird Uniper an die Börse gebracht.

Vorstandschef Teyssen verteidigte erneut die Abspaltung des alten Kerngeschäfts: "Es ist richtig, die Geschäfte jetzt zu trennen und die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich die Unternehmen entlang eigener Strategien weiterentwickeln können." Im vergangenen Jahr musste Teyssen allerdings einen empfindlichen Rückschlag für seine Pläne einstecken. Das Atomgeschäft bleibt auf politischen Druck hin und anders als ursprünglich geplant weiter bei Eon, wird aber in der Tochter PreussenElektra weitgehend unabhängig geführt.



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