E.ON-Streit mit EU beendet
Düsseldorf - Jetzt ist das Kriegsbeil begraben. Der größte deutsche Strom- und Gaskonzern E.ON und die EU-Kommission haben ihren langjährigen Kartellstreit beendet. Am Mittwoch erteilte die Brüsseler Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Pläne des Unternehmens, sein 10 000 Kilometer langes Hochspannungsnetz zu verkaufen und sich von Kraftwerkskapazitäten mit einer Leistung von 4800 Megawatt in Deutschland zu trennen. Die EU-Wettbewerbshüter verzichten im Gegenzug auf die Verhängung einer milliardenschweren Geldbuße. Damit hat E.ON-Vorstandschef Wulf Bernotat endlich Ruhe an der Kartellfront.
Neun Monate sind vergangen, seitdem der Topmanager die Branche mit seinem Vorstoß, die Netze zu verkaufen, überraschte und den Zorn der Politik auf sich zog. Denn die hatte sich lange Zeit gegen alle Versuche gesträubt, die Energieriesen zu zerschlagen beziehungsweise ihnen die Netze zu nehmen. Doch Bernotat, der sich ebenfalls lange gegen einen Verkauf ausgesprochen hatte, machte aus der Not eine Tugend. Der lähmende Kartellstreit sollte endlich aus der Welt geschafft werden.
"Wir haben die richtigen Weichen gestellt für E.ON, um das Unternehmen noch internationaler, noch fokussierter und noch ertragsstärker zu machen", betonte Bernotat erst vor wenigen Wochen bei der Vorlage der Quartalszahlen. Die nationale Karte spielt der größte deutsche Strom- und Gaserzeuger und einer der größten europäischen Energiekonzerne schon länger nicht mehr.
Anfang kommenden Jahres könnte der Verkaufsprozess für das Netz gestartet werden, das Branchenexperten auf einen Wert von 1,5 Milliarden bis 2 Milliarden Euro taxieren. Kurzfristig müsste sich auch entscheiden, ob trotz der unterschiedlichen Interessenlagen die Gründung einer deutschen Netzgesellschaft noch eine Option ist. Seit Anfang Oktober lotet Infineon-Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley als Moderator der Bundesregierung die Chancen bei den vier Netzbetreibern aus. Signale für eine Lösung hat es bislang allerdings noch nicht gegeben.
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