E.ON-Chef Hartmann am Ziel: Ruhrgas-Übernahme unter Dach und Fach
Wenige Monate vor seinem Ausscheiden an der Konzernspitze und dem Wechsel in den Aufsichtsrat krönt Hartmann mit Ruhrgas seine Managerkarriere bei E.ON. In den letzten Jahren hatte der Vorstandsvorsitzende nichts unversucht gelassen, den Konzern mit Zukäufen im In- und Ausland zu einem Riesen im Strom- und Gasgeschäft auszubauen. Hartmann wechselte schon vor einigen Jahren die Strategie des Unternehmens: Weg vom Konglomerat, hin zum Kerngeschäft Energie.
Der Ausflug in die Telekommunikation blieb eine Episode, füllte aber durch zahlreiche Beteiligungsverkäufe die Kriegskasse des Konzerns. Mit der Fusion der früher VEBA und VIAG zu E.ON zeichneten sich die Konturen des neuen Unternehmens ab. Alle Nicht- Versorgeraktivitäten wurden auf die Verkaufsliste gesetzt - zuletzt auch der Chemiespezialist Degussa und der sollte im Übernahmedeal eine ganz entscheidende Rolle spielen.
Wahrscheinlich hatte sich Hartmann die Übernahme leichter vorgestellt, nachdem er die komplizierte Eigentümerstruktur von Ruhrgas entwirrt war. Doch der Zukauf für rund 10 Milliarden Euro erwies sich als eine harte Nuss. Wettbewerbshüter und Konkurrenten befürchteten, auf dem deutschen Markt an den Rand gedrückt zu werden.
Dass das Bundeskartellamt ein negatives Urteil abgeben würde und auch die Monopolkommission kein Freund des Übernahme war, damit hatte Hartmann gerechnet. Die Ministererlaubnis war für ihn schliesslich der Joker. Nicht eingeplant hatte E.ON dagegen die zahlreichen Beschwerden von Konkurrenten, die die Akquisition um Haaresbreite zu Fall gebracht hätten.
Zuvor hatte Hartmann Bedenken in der Politik gegen die Machtzusammenballung auf dem deutschen Gasmarkt durch einen weiteren geschickten Coup zu besänftigen versucht: Der Tausch der E.ON- Tochter Degussa gegen weitere Ruhrgasanteile der RAG. Ein neues Standbein in der Chemie und damit eine wirtschaftliche Perspektive sollte der Essener Bergbaukonzern erhalten und unabhängiger von den umstrittenen Kohlesubventionen werden.
Hartmann zeigte sich zum Ende des Pokers um Ruhrgas erleichtert: "Beim Ausbau unseres Gasgeschäfts können wir jetzt durchstarten und so im Wettbewerb mit den anderen grossen europäischen Gasunternehmen mithalten". Dieses Argument hatte er schon zuvor seinen Kritikern entgegen gehalten. Die heimischen Gasunternehmen seien von starken ausländischen Wettbewerbern wie ExxonMobil, Shell, BP oder Gaz de France herausgefordert. Im europäischen Massstab sei Ruhrgas mit einem Marktanteil von 12 Prozent nur ein mittelgrosses Unternehmen.
Für das Einlenken der Übernahmegegner muss E.ON aber noch einmal tief in die Konzernkasse greifen. Neben Absprachen über vergünstige Strom- und Gaslieferungen und dem Tausch von Beteiligungen fliesst auch Bargeld, unter anderem an verschiedene Stadtnetzbetreiber und kleine Stromhändler. Der Tausch von Beteiligungen mit dem finnischen Energiekonzern Fortum soll alleine einen Wert von 800 Millionen Euro haben.
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