Energiewende stockt bei Heizungen und Kraftstoffen

dpa | 07.03.2016
Bild: CO2 Wolke ©designeo/fotolia.com

Hamburg - Die Deutschen heizen nach wie vor klimaschädlich und eine Kehrtwende ist nicht in Sicht. Zu diesem Befund kommt der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE).


Die Absatzzahlen der Heizungsbranche bestätigen diese Einschätzung. Wer ein neues Haus errichtet, baut in drei von vier Fällen eine Gasheizung ein, heißt es beim Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH). Der Anteil am gesamten Neuabsatz beträgt 76,5 Prozent. Auch von den bestehenden Wohnungen werden mehr als die Hälfte mit Gas beheizt; es ist die beliebteste Heizenergie in Deutschland. Erst wurde Kohle durch Öl abgelöst, dann Öl durch Gas. Doch auch Gas ist ein fossiler Brennstoff. Dem Ziel der Regierung, bis 2050 die Heizenergie komplett aus erneuerbaren Quellen bereitzustellen, steht der Einbau neuer Gasheizungen entgegen.  

Absatz von Ölheizungen gestiegen

Auch Heizöl spielt im Wärmemarkt immer noch eine bedeutende Rolle. Der Absatz von Ölheizungen ist im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf rund 60.000 Brenner gestiegen. Das ist zwar nur ein Marktanteil im einstelligen Bereich, der aber immer noch doppelt so hoch ist wie für Biomassekessel (Holz). Ein gutes Viertel der bestehenden Wohnungen wird mit Öl beheizt, das bedeutet knapp sechs Millionen Ölheizungen. Die meisten entsprechen nicht dem aktuellen technischen Stand, fast die Hälfte ist über 20 Jahre alt.

Mit einer Modernisierung könnten die Hausbesitzer rund 30 Prozent der Kosten und der CO2-Emissionen einsparen. Die Öl-Lobby weist darauf hin, dass moderne Ölheizungen einen Wirkungsgrad von nahezu 100 Prozent aufweisen und damit der Austausch eines Altgerätes zu schnellen und billigen Verbesserungen der Klimabilanz führt. "Bei einer konstanten Zahl von installierten Ölheizungen hat sich der Heizölverbrauch seit 1995 auf 17 Millionen Tonnen halbiert", heißt es beim Institut für Wärme und Öltechnik (IWO).

Alternativen setzen sich am Markt nicht durch

Für den grünen Staatssekretär Rainer Baake ist der steigende Absatz von Ölheizungen "ein Ärgernis, dem man entgegentreten muss". Die Bundesregierung will durch effizientere Gebäude den Energiebedarf für das Heizen generell senken und setzt auf erneuerbare Energien wie Pellets und Wärmepumpen. Doch der Zuspruch des Publikums bleibt gering. Das erinnert an die Kraftstoffe, wo vor fünf Jahren die Benzinsorte E10 mit zehn Prozent Ethanol eingeführt wurde. Ziel: Den Anteil sogenannter Bio- oder Öko-Treibstoffe zu erhöhen. Doch der Plan floppte, E10 wurde trotz eines kleinen Preisvorteils nie zur führenden Benzinsorte in Deutschland. Die Autofahrer wollen den Stoff nicht tanken.

Bis zum Jahr 2030, so hat es eine Shell-Studie schon vor längerer Zeit ermittelt, bleiben Gas und Öl die dominierenden Energieträger für die Heizung. Ebenso wie die meisten Autos mit Benzin und Diesel angetrieben werden. Gasbetriebene Autos, seit Jahrzehnten im Markt, konnten sich trotz eines relativ flächendeckendes Versorgungsnetzes nicht durchsetzen. Elektroautos fristen angesichts hoher Preise und geringer Reichweite immer noch ein Nischendasein und sollen nun eventuell hoch subventioniert werden. Selbst die Bundesregierung hat trotz aller politischen Bekenntnisse noch immer nur relativ wenige Elektroautos und besonders klimaschonende Limousinen im eigenen Fuhrpark, wie das Innenressort auf eine schriftliche Frage der Grünen antwortete.

Die gegenwärtig niedrigen Preise für Heizöl und Sprit befördern noch die Tendenz zu fossilen Brenn- und Treibstoffen. "Sie zeigen nicht die wahren Klima- und Gesundheitskosten und verhindern einen fairen Wettbewerb mit den erneuerbaren Wärmeheizungen", heißt es beim BEE.



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