Energiewende: Bürger machen sich zu wenig Sorgen

dpa | 19.03.2012
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Berlin - Nach dem Atomunfall in Japan war das Interesse der Deutschen an der Energiewende so groß wie nie zuvor. Doch inzwischen droht das Thema unterzugehen - nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Politik der Bundesregierung.


Das Interesse der Bürger an der Energiewende nimmt nach Erkenntnissen des Allensbach-Instituts ab. Derzeit zählten nur noch 40 Prozent der Bundesbürger die Sicherung der Energieversorgung zu den vordringlichen Aufgaben der Bundesregierung, schreibt die Chefin des Meinungsforschungsinstituts, Renate Köcher, in der "Wirtschaftswoche". Unter dem Eindruck des plötzlichen Atomausstiegs 2011 seien es noch 53 Prozent gewesen. Unterdessen riefen die Regierungschefs der beiden bevölkerungsreichsten Bundesländer die Bundesregierung zu größeren Anstrengungen auf.

Bürger sind zu unbesorgt

In der Bevölkerung gibt es der Allensbach-Chefin gleichzeitig "Unbesorgtheit und Fatalismus" beim Thema Energie: "Die Bürger machen sich seit jeher nur wenig Sorgen, dass es zu Versorgungsengpässen kommen könnte." Die Mehrheit sei zudem "fatalistisch überzeugt, dass die Preise mittelfristig unaufhaltsam steigen."

Erneuerbare Energien genießen laut Köcher zwar höchste Sympathie. Die "emotionale Identifikation" mit Ökostrom gehe so weit, dass die große Mehrheit in den nächsten Jahrzehnten am liebsten fast vollständig auf Sonne, Wind und Wasser bauen würde. Gleichzeitig befürworteten aber nur noch 35 Prozent eine stärkere finanzielle Förderung des Ökostroms - im Vergleich zu 44 Prozent im Sommer 2011.

Keine Investitionen vor der eigenen Haustür

Auch die Bereitschaft, Energieinvestitionen vor der eigenen Haustür zu akzeptieren, sei begrenzt. So hielten es gerade einmal 37 Prozent der Bürger für wichtig, die Leitungsnetze auszubauen. "Trassen durch die eigene Region würden 51 Prozent der Bundesbürger ablehnen", schreibt Köcher.

Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Hannelore Kraft forderte in der "Welt am Sonntag", Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) solle die Energiewende zur Chefsache machen. "Das Problem ist, dass niemand den Hut aufhat", erklärte die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen in der "Welt am Sonntag".

Seehofer und Kraft fordern mehr Engagement

CSU-Chef Horst Seehofer forderte die Bundesregierung zur Beschleunigung der Energiewende auf. Schwarz-Gelb müsse "noch mehr Tempo machen", sagte der bayerische Ministerpräsident der Zeitung. In diesem Jahr müssten Entscheidungen getroffen werden was den Netzausbau, die Förderung der energetischen Gebäudesanierung, stabile Energiepreise und die rechtlichen Grundlagen von grundlastfähigen Kraftwerken angehe.

Kraft verwies auf eine "alarmierende Diagnose" von Wirtschaftsverbänden, wonach die Regierung im Zeitverzug sei. "Uns fehlt ein Masterplan, ein Gesamtkonzept", kritisierte sie. In der vergangenen Woche hatten die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft Kanzlerin Merkel und ihrer Regierung mangelnden Reformeifer und Verzögerungen bei der Energiewende vorgehalten.



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