Energiekrise: Vergebene Chancen in Südafrikas Goldminen
"Es erweist sich als sehr schwer, mit nur 90 Prozent der üblicherweise verfügbaren Elektrizität zu arbeiten", sagt Roger Baxter, Chefökonom bei der südafrikanischen Minenkammer. Ein Großteil des Stroms diene dazu, erträgliche Arbeitsbedingungen unter Tage zu sichern, wie etwa eine ausreichende Luftzufuhr und den Abfluss von Wasser. Diese Einrichtungen könne man nicht antasten, um den Energieverbrauch zu reduzieren, sagt Baxter. Stattdessen müssen die Minenbetreiber den Gebrauch des Förderwerkzeugs einschränken, und das nicht zu knapp. "Die Einschränkungen liegen nicht bei zehn, sondern eher schon bei 20 Prozent der Produktion", sagt der Ökonom.
Läuft die Goldförderung, die rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes ausmacht, weiter eingeschränkt, hat das langfristig auch Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. Der Goldproduzent Gold Fields hatte im Februar erklärt, die Energiekrise könnte ihn auf lange Sicht ein Fünftel seiner Fördermenge kosten und ihn zur Streichung von fast 7000 Stellen zwingen. "Wenn wir nicht genug Energie bekommen, müssen wir einige Schächte dicht machen", sagt Unternehmenssprecher Andrew Davidson. "Nur die Elektrizität kann uns dabei helfen, die Jobverluste gering zu halten."
Baxter bedauert die "vergebenen Chancen" in Südafrikas Goldminen, weil der Vorteil des hohen Weltmarktpreises nicht genutzt werden könne. "Wenn wir normal produzieren könnten, wäre der hohe Goldpreis positiv für die Beschäftigung, aber auch für unseren Export und für die gesamte Wirtschaft", sagt er. Der hohe Preis hätte der südafrikanischen Wirtschaft, die derzeit an Wachstumskraft verliert, einen willkommenen Schub versetzen können. Für das Jahr 2008 korrigierte die Regierung ihre Erwartungen bereits nach unten und geht jetzt noch von rund vier Prozent Wachstum nach zuletzt mehr als fünf Prozent aus.
Dass hohe Goldpreise Südafrikas Wirtschaft helfen können, habe sich in der Vergangenheit gezeigt, meint Baxter. In den Jahren 2005 und 2006 habe der Goldpreis die Modernisierung und Neueröffnung der Goldschächte finanziert und so das Wachstum unterstützt. Inzwischen fürchten aber schon erste Experten, dass der Goldpreis seinen Zenit überschritten hat. Dann wären die goldenen Chancen für Südafrika womöglich auf Jahre ungenutzt vertan.
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