Energiehungriges China bietet Chance für alternative Energien
Aussenminister Joschka Fischer konnte sich in China einem urgrünen Anliegen widmen. Er eröffnete am Freitag in der Provinzstadt Jinan ein deutsch-chinesisches Vorzeigeunternehmen für erneuerbare Energien. Die Firma hat nach Unternehmensangaben die weltweit grösste Kapazität für die Herstellung von Sonnenkollektorenfläche.
China ist schon jetzt der weltgrösste Solarmarkt. "Viel Sonne aber nicht", sagte Fischer, als er das rote Band vor der frisch getünchten Produktionshalle durchschnitt. Es regnete in Strömen, blaue Regenschirme überall, der rote Teppich wurde ganz nass. "Zum Glück brauchen Sonnenkollektoren keine direkte Sonneneinstrahlung, um zu funktionieren", bemerkte ein Angestellter des Unternehmens.
Insgesamt sei China ein Boommarkt mit dem "gewaltigen Staubsaugereffekt", sagte Fischer. So ähnlich sehen das auch die mittelständischen Wirtschaftsvertreter, die mit Fischer auf eine zehntägige Süd- und Ostasientour gegangen sind. Zum Beispiel Klaus Friedrich, Geschäftsführer des Textilwarenherstellers Klaus Steilmann: "Wir suchen einen Weg, um in China auch Einzelhandel aufzubauen." Wie für seine Kollegen aus der Solarbranche ist China längst nicht mehr nur ein preiswerter Fertigungs-, sondern auch ein riesiger Absatzmarkt.
Insgesamt sind in China rund 60 Millionen Quadratmeter Sonnenkollektorenfläche installiert. Das entspricht der Leistung von drei Kernkraftwerken und spart jährlich den Verbrauch von rund 3 Milliarden Liter Heizöl. Olaf Fleck, Geschäftsführer des Solartechnik-Unternehmens Sunset, sieht eine lichte Zukunft: "Der chinesische Markt für Solartechnik öffnet sich gerade erst." Das Bekenntnis Chinas zu erneuerbaren Energien auf der Weltkonferenz in Bonn Anfang Juni habe eine "wichtige Signalwirkung" gehabt.
In Bonn hatte sich China zur Förderung alternativer Energien aus Wind, Wasser, Sonne, Biomasse verpflichtet. Das Ziel: Bis 2010 soll deren Kapazität etwa 10 Prozent der gesamten Stromerzeugung ausmachen. Schliesslich ist China weltweit der "Umweltverschmutzer Nummer 1". Unternehmer Fleck wiederholt die alte Grünen-Philosophie: "Ökonomie und Ökologie müssen zusammengehen."
Nach Worten Fischers werden die Entscheidungen Chinas - "dominanter Faktor im 21. Jahrhundert" - das globale Ökosystem beeinflussen. Fischers Erkenntnis auf seiner Reise in die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt, Indien und China: Die Welt werde sich künftig auf ein "globales Ressourcenmanagement" einigen müssen. Die Kategorien des machtpolitischen Konkurrenzkampfes des 19. und 20. Jahrhunderts gehörten der Geschichte an. Wermutstropfen aber für den Minister aus der Ökopartei: Die Chinesen setzen massiv auch auf Atomkraft. Die hat in China auch noch Zukunft.
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