Energiebosse streiten sich: Wie marode war die EnBW?

dpa | 21.04.2005
Bild: Stromleitungen


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Karlsruhe (dpa) - Im Streit um den Zustand des Energiekonzerns EnBW bei der Übernahme durch den neuen Chef Utz Claassen (41) hat sein Vorgänger jetzt einen Punktsieg errungen. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag, dass sie seit März gegen Claassen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung ermittelt. Die Behörde kennt sich in dem Thema aus: Wegen des selben Verdachts wird schon länger gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Gerhard Goll (62) ermittelt.

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Kern des Streits zwischen den ungleichen Energiebossen ist die Frage: Wie marode war die Energie Baden-Württemberg AG beim Machtwechsel vor zwei Jahren? Nach der Halbjahresbilanz 2003, die Claassen kurz nach seinem Amtsantritt vorlegte, ziemlich: Der ehemalige Unternehmensberater und gelernte Diplom-Ökonom entdeckte Ertragsrisiken, die vorher so nicht gesehen worden waren. Nach seiner Rechnung klaffte in der Bilanz ein Loch von rund einer Milliarde Euro.

Wertberichtigungen nahm der schwergewichtige Sanierer, der sich wegen seiner durchgreifenden Art auch schon den Spitznamen "Rambo" eingehandelt hat, etwa bei der Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf vor. Auch die inzwischen "beerdigte", einst als Wundermüllofen gepriesene Thermoselect-Anlage bewertete er anders als sein Vorgänger. Später trennte sich Claassen auch von einer Reihe von unter Goll gekauften Beteiligungen.

Der räumte zwar Probleme ein. Um im liberalisierten Strommarkt mit Konkurrenten wie RWE oder E.ON mithalten zu können, hätten Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptaktionäre aber einen Wachstumskurs für nötig gehalten. Für die Schieflage des Konzerns machte Goll vor allem den französischen Grossaktionär Electricité de France (EdF) verantwortlich, der Finanzzusagen in zweistelliger Milliardenhöhe nicht eingehalten habe.

In einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" zum Abschied hatte der ehemalige CDU-Staatsrat zugleich betont: Der Konzern sei "im Kern gesund" - "wenn er nicht durch systematisches Schlechtreden an die Wand gefahren wird". Seitdem schweigt der für seine leisen Töne bekannte hagere Jurist mit dem grossen dunklen Schnauzbart weitgehend.

"Es wurde nichts schlecht geredet oder schlecht gerechnet", betonte am Donnerstag dagegen ein Sprecher des Konzerns, der nach einem ausgewiesenen Milliardenverlust im Jahr 2003 im vergangenen Jahr mit einem Gewinn vor Steuern von 707 Millionen Euro aufwartete. Nach EnBW-Angaben sind die staatsanwaltlichen Ermittlungen haltlos. Sie basierten "schon im Ansatz auf völlig falschen Annahmen".

Falls nicht, hätte Claassen ein Problem: Sein strenger Sanierungskurs - allein von März bis Ende 2004 sank die Mitarbeiterzahl von 24.600 auf rund 17.700 - kostete jede Menge Arbeitsplätze. Sein von einigen Aktionären umstrittenes Gehalt in Höhe von 4,17 Millionen Euro im Jahr 2004 wird im Geschäftsbericht auch mit der "deutlich veränderten Ergebnissituation" begründet.



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