Die Solar-Krise geht weiter: Q-Cells steht am Abgrund
- Rösler-Plan für Solarförderung: deutliche Einschränkungen
- Solarindustrie atmet auf - keine drastischen Förderkürzungen
- Röttgen will Bau neuer Solaranlagen stärker begrenzen
- Solarförderung: Branche legt eigenen Kürzungsvorschlag vor
- Solarunternehmen wehren sich gegen Kritik
- Schluckt oder rettet China die deutsche Solarbranche?
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Bitterfeld-Wolfen - Die deutschen Solarunternehmen scheinen trotz Energiewende, hoher Fördergelder und Solar-Boom keine Zukunft zu haben. Nach Solon und Solar Millenium droht jetzt Q-Cells das Aus.
Schlecht geht es dem einstigen Stern am deutschen Solarhimmel schon länger. Jetzt hat sich die Lage des Photovoltaik-Konzerns Q-Cells aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt aber dramatisch verschlimmert. Die dringende Restrukturierung der Finanzen ist nach einem Gerichtsentscheid vorerst gescheitert. Dazu kommt erneuter Abschreibungsbedarf, das Eigenkapital ist aufgezehrt.
Experten befürchten: Die Pleite könnte nur eine Frage der Zeit sein. Im Fall einer Insolvenz würde sich Q-Cells in eine Reihe mit Unternehmen wie der Berliner Solon und der Erlanger Solar Millennium stellen. Dem Preisverfall - vornehmlich getrieben von Billiganbietern aus China - können viele Firmen nicht mehr standhalten.
Schuld sind Billig-Konkurrenz und Politik
Als hätte die Branche nicht schon durch den internationalen Wettbewerb Probleme genug, will ihr die Politik die Fördertöpfe weiter zusammenstreichen. Wenn es nach Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) geht, braucht es bei der Förderung der Photovoltaik einen Systemwechsel. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das feste Einspeisesätze für 20 Jahre garantiert, führte 2011 zu einem Rekordzubau von 7500 Megawatt neu installierter Leistung. Theoretisch entspricht das etwa fünf Atomkraftwerken.
Vor allem die Konkurrenz aus China konnte davon profitieren - dank Billigangeboten. Die Förderung zahlt der Verbraucher über eine Umlage auf den Strompreis, in einem Durchschnittshaushalt fallen derzeit im Jahr etwa 125 Euro an. Kostensteigerungen werden befürchtet, auch wenn die Fördersätze schon jetzt stetig sinken. Daher fordern die Fraktionschefs von Union und FDP Vorschläge von Rösler und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), wie sie den Bau neuer Solaranlagen auf 1000 Megawatt pro Jahr begrenzen wollen.
Rösler fordert Obergrenze
Rösler ist bereits mit einem Konzept vorgeprescht, das eine Obergrenze vorsieht: jährlich etwa 1000 Megawatt. Röttgen hat ebenfalls weitere Anpassungen angekündigt. Die Förderung soll demnach monatlich angepasst werden, um Schlussverkäufe wie zuletzt im Dezember unmittelbar vor einer 15-prozentigen Kürzung im Januar zu vermeiden. Zudem schließt er auch weitere Kürzungen nicht aus, um die Förderkosten für die Verbraucher im Griff zu halten.
Die Branche hält Absenkungen über das schon beschlossene Maß hinaus für nicht mehr machbar. "Wenn man den deutschen und den europäischen Markt nicht komplett abwürgen will, dann geht darüber hinaus nichts", sagt Frank Asbeck, Chef des Unternehmens Solarworld.
Förderdeckel wäre das Ende
Karl-Heinz Remmers von der Beratungsfirma Solarpraxis befürchtet: "Ein fester Förderdeckel, wie ihn sich Rösler vorstellt, würde dazu führen, dass viele Unternehmen den Bach runter gehen. Die gut aufgestellten werden Teile ihrer Belegschaft entlassen müssen. Die stark verschuldeten werden es nicht überleben." Seiner Meinung nach sollte man die Technologie-Entwicklung nicht abwürgen. In drei bis vier Jahren würden erste Anlagen ohne Förderung wirtschaftlich laufen.
Bei Q-Cells geht der Kampf ums Überleben indes weiter - und es wird nicht leichter. Die Schulden muss das Unternehmen in den Griff bekommen, das operative Geschäft stabilisieren. Fragt man herum, glaubt kaum jemand, dass das glückt. Der Preisdruck, stillstehende Produktionskapazitäten, der späte Strategieschwenk mit einer Fokussierung der Produktion in Malaysia - das alles belastet Q-Cells.
Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Die Angst vor dem Verlust weiterer Arbeitsplätze ist unter den Menschen in der Region groß - auch wenn Q-Cells betont, die neuen Nachrichten hätten zunächst keine Auswirkungen auf die Stellen. Bereits 2009 hatte Q-Cells Teile der Produktion stillgelegt, 500 Beschäftigte mussten gehen. Ein im vergangenen Sommer aufgelegtes Sparprogramm kostete noch einmal 250 Mitarbeiter den Job.
"Ich hoffe, dass sich Q-Cells insgesamt am Standort behaupten kann und auch weiterhin als Firma ein großer Arbeitgeber sein wird", sagt der Landrat des Kreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze (CDU). Die Solarbranche mit dem "Solar Valley", dem Chemiepark Bitterfeld-Wolfen und Q-Cells als Gründer seien für die Region "der Leuchtturm schlechthin".
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